Liam O’Flaherty // Zornige grüne Insel

Ich hasse dieses Buch.

  • Take-away: Ach, was für grenzenloses Leid
  • Ein Buch für: Irlandfans, Englandhasser, Geschichtsinteressierte

Es geht um eine Bauernfamilie, die sich irgendwo im Südwesten Irlands durch die Kartoffelpest quält. Liam O’Flaherty verleiht den Menschen durch Sprache etwas viehisches. Bauernkinder sind eine Brut. Die Menschen leben im Morast, Seite an Seite mit den Schweinen. Sie grunzen und fressen und saufen. In tierischer Unfreiheit, willenlos eingepfercht in einen Pfuhl des Leidens und des Hungers.

Es ist eine wahre Wohltat, als in dem Bauernhaus der zweite Sohn und seine Frau das Kommando übernehmen und tatkräftig und hoffnungsvoll anpacken. Und erstmal sauber machen. Die Schweine bekommen einen eigenen Stall, die Bewohner neue Kleider, der schlammige Hinterhof wird zum Gemüsebeet und die Stube geschrubbt.
Aber Hoffnung darf auf der zornigen grünen Insel nur etwa eine halbe Seite auflodern, dann folgt schon das nächste Unheil. Ich hasse dieses Buch.

Doch so furchtbar unspaßig und unbefriedigend es für mich ist, dieses Buch zu lesen, so bin ich doch fasziniert, wie O’Flaherty es schafft, mich zu diesen tierischen Wesen hinzuziehen. Wie ich zunächst Ekel empfinde vor dieser Art zu leben. Dann Hoffnung auf Essen. Wut auf die untätige Regierung, tyrannische Großgrundverwalter und ausbeuterische Händler. Resignation vor der erneuten Kartoffelpest und dem Tode. Und schließlich Hoffnung auf Amerika – die erneut nur ein paar Seiten Leben genießen darf.

Ein meisterhaft geschriebenes Buch. Und wenn sich ein großartiger Autor vornimmt, die Kartoffelpest in der Gegenwart zum Leben zu erwecken, kann vermutlich nicht viel anderes dabei herauskommen. Das ist mal ein historischer Roman. Großartig.

Aber ich hasse dieses Buch.

Und auch wenn die letzten 20 oder 30 Seiten unter meinen Fingern nur so dahinflogen und die Tränen meine Wangen herunterliefen, werde ich es nie wieder lesen.

Liam O’Flaherty // Zornige grüne Insel
Taschenbuchausgabe 1987, 1965 (Hungersnot), 1937 (Famine)
Diogenes, Victor Gollancz
434 Seiten

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