Werner Keller // Und die Bibel hat doch recht

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Und die Bibel hat doch recht … Forscher beweisen … was man hier zu erwarten hat, sollte klar sein. Bei einer solchen Titelei kann ein Buch aber nur zur Enttäuschung werden.

  • darum lesen: jede Menge historischer, archäologischer Informationen, gut geschrieben
  • darum nicht lesen: es wird halt nicht die historische Wahrheit der Bibel bewiesen

Mit dem Titel muss sich das Buch ja gut verkaufen. Tat es auch, der Erstauflage folgte eine revidierte Fassung (die ich hier bespreche) und vermutlich eine dritte Auflage im Jahr 1999 – kenne ich aber nicht und kann nichts dazu sagen. Insgesamt wurde das Buch allein in Deutschland millionfach verkauft und in mehr als 20 Sprachen übersetzt. Da haben die Lektoren ins schwarze getroffen. Denn so gut das Buch ist, es zeigt keineswegs, dass die Bibel recht hat. Ein passenderer Titel wäre gewesen: Archäologische Erkenntnisse aus der Zeit der Bibel oder bestenfalls Warum die Bibel recht haben könnte. Aber mit so einem Titel wäre der Erfolg sicherlich deutlich überschauberer geblieben.

Der Aufbau des Buches orientiert sich an der Geschichte der Welt und des Volkes Israel, wie beide in der Bibel geschildert werden. Würde also mit der Schöpfung beginnen, wenn es da archäologische Quellen gäbe. So gehts mit der Sintflut, dem Turmbau zu Babel und dem Ursprungsort Abrahams los. Es folgen die biblischen Patriarchen, der Aufenthalt in Ägypten, der Auszug, die Landnahme, die Geschichte der jüdischen Königshäuser, Jesus und die frühe christliche Kirche. Keller zitiert immer wieder die Bibel und stellt archäologische Entdeckungen gegenüber. Von der Expeditionen berichtet er im Stile eines Abenteuerromans von Karl May; schließlich ordnet er ein und kommentiert. Dabei wäre wichtig zu erwähnen, das Keller selbst weder Historiker noch Archäologe ist sondern Rechtswissenschaftler und Publizist. Die revidierte Fassung bearbeitete übrigens der Historiker und Autor Joachim Rehork, der nach allerlei Relativierungen und Einordnungen zu dem Ergebnis kommt:

Und die Bibel hat doch recht – mit den Augen ihrer Zeit gesehen!

… denn die Bibel ist kein Geschichtsbuch. Nicht das Werk von Geschichtsschreibern. Sie ist eine wichtige Quelle, beinhaltet Wahrheiten und ist mE. auch das Wort Gottes. Aber sie hat aus den Augen eines Historikers oder Archäologen nicht recht.

Übrigens sagt auch die erste Version von Keller nicht wirklich etwas anderes. Vielmehr zeigt er, dass zumindest nichts gegen die Bibel spricht – wenn man gewisse Angaben umdeutet. Aus den 600.000 Israeliten, die laut Bibel aus Ägypten auszogen, werden 6.000, die Plagen erklärt er auf natürliche Weise, er schildert Schwierigkeiten, bestimmte Ereignisse zeitlich richtige zu verorten. Biblische Orte hat es möglicherweise wirklich gegeben, beschriebene kulturelle Hintergründe stimmen wohl zu einem Großteil. Und zwar bisweilen in einer solchen Tiefe, dass man auf Basis der Schilderungen der Bibel Erdöl und den Tempel der Arthemis in Ephesos gefunden hat. Nun, Keller selbst relativiert ja ordentlich und behauptet nur stellenweise, dass die Bibel mit bestimmten Aussagen recht habe. Dann kommt Rehork und relativiert noch mehr.

Ansonsten handelt es sich bei Und die Bibel hat doch recht aber um ein sehr gutes Buch. So muss ein Sachbuch geschrieben sein. Lebendiger Erzählton. Viele Quellen. Dabei entfernen sich die Geschichten stark von der Bibel, Keller zitiert ägyptische Briefe in Länge, schildert viele altertümliche Geschichten, stellt beispielsweise das Gilgamesch Epos und die Sintflut gegenüber. Es gibt zahlreiche Zeichnungen und Illustrationen und ein paar Fotografien in der Buchmitte. Diese Ausstattung dürfte in aktuelleren Ausgaben freilich eine andere sein.

Ein paar Worte noch zu einer weiteren neueren Ausgabe des Buches, die ich ebenfalls hier zuhause habe. Der Bildband vom Econ Verlag, wo auch das Original erschien, ist aus dem Jahr 1989 und wurde 1999 erneut im Weltbild Verlag veröffentlicht. Darin sind knapp 350 Fotos, was natürlich nett ist. Die Textfassung ist allerdings die der ersten Auflage – finde ich unverantwortlich, wo doch in der revidierten Fassung ganze Textpassagen ergänzt und gelöscht worden sind.

Werner Keller // Und die Bibel hat doch recht
70.-75. Tausend der revidierten Neuausgabe 1990, 1978 // 1955
Rowohlt Taschenbuch // Econ
445 Seiten

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