25.12. / 6.1. / 5.3.? Nächstes Jahr feierst du Weihnachten endlich am richtigen Tag

Die Weihnachtszeit ist vorbei. Die heiligen drei Könige statten dem neugeborenen Jesulein ihren Besuch ab und das wars dann. Weg mit den Christbäumen. Am besten gleich ganz vergessen, diesen heidnischen Kram. Schließlich wurde Jesus gar nicht an Weihnachten geboren. Stimmt! Aber wann dann?

Keiner weiß so genau, warum wir Weihnachten im Dezember feiern. Das alles ist vermutlich eine Mischung aus frühchristlicher Fehlberechnung und römischem Pragmatismus. Das Datum kursierte damals ohnehin irgendwie und passenderweise konnte man auch noch einen lästigen römischen Kult, den man erst hundert Jahre zuvor installiert hatte, übertünchen.

(Warum Weihnachten aber grad kein heidnisches Fest ist, auch nicht historisch, zeige ich in diesem Blogbeitrag)

Aber wann sollten wir denn dann Weihnachten feiern? Wann ist Jesus tatsächlich geboren?

Darüber streiten sich Christen und Wissenschaftler miteinander und untereinander seit dem dritten Jahrhundert. Astronomen suchen nach Sternformationen, Historiker nach Belegen für eine Volkszählung oder Herodes Kindermord. Und sie alle kommen zu einem eindeutigen unterschiedlichen Ergebnis.

  • Dezember, weil Jesus nach einem jüdischen Glauben am gleichen Tag gezeugt sein musste, an dem er auch gestorben ist
  • Januar, weil dieser Glaube zwar richtig war, der Rechenweg aber falsch
  • März, weil Jesus am gleichen Tag auf die Welt gekommen sein musste, an dem sein Vater ein paar tausend Jahre zuvor die Welt erschaffen hatte
  • Im Sommer, weil da die Sterne perfekt standen und es tatsächlich einen Stern über Bethlehem gab
  • Im Herbst, weil Jesus eine Erfüllung der jüdischen Messias-Hoffnungen in Verbund mit dem Laubhüttenfest ist

Egal, welches Datum man wählt, irgendwelche weiteren Argumente, die dieses Datum unterstützen, wird man schon finden … Oder aber Argumente, die gegen all die anderen Behauptungen sprechen.

So ist beispielsweise das Argument beliebt, im Winter hätten ja gar keine Hirten auf den Feldern gewesen sein können. Habe ich selbst auch schon ungeprüft gebracht. Das wollte ich jetzt eigentlich besser machen – habe allerdings keine Quellen gefunden. Im Gegenteil, Fred H. Wight zitiert in seinem Buch Manner And Customs of Bible Lands eine National Geographic Ausgabe von 1926, die sich unter anderem mit Schafhirten in Palästina beschäftigte:

In the late autumn or winter months, there are times, when the spepherd can find no pasturage that is available for his flock, and then he must become responsible for feeding the animals himself. If the flock is small there may be times when it is stabled within the peasant house, and the family lives on a sort of mezzanine floor above it.

Mit anderen Worten: wenn die Engel Pech gehabt hätten, hätten sie gar keine Hirten auf den Feldern getroffen. Ok. Aber unmöglich ist ein Geburtstermin im Winter nicht. Vielleicht gibts ja aber klarere Quellen in dieser Hinsicht?

Die Geburt Jesu laut Bibel

Tatsächlich kann man die Geburt Jesu auch innerbiblisch berechnen:

  • Jesus kam 9 Monate nach Johannes auf die Welt (Lukas 1,26 und 36)
  • Johannes wurde nach dem Tempeldienst seines Vaters gezeugt (Lukas 1,23-24)
  • Zacharias war Teil der Priesterordnung Abias (Lukas 1,5)
  • Sofern der Priesterdienst organisiert war, wie bspw. der Militärdienst (also jede Abteilung war einmal im Jahr dran, vgl. Chroniken und Könige), dann wissen wir, dass Zacharias im Monat Tamuz Dienst hatte, seine Frau anschließend schwanger wurde, Johannes 9 Monate später auf die Welt kam und Jesus weitere 6 Monate später

Und damit währe Jesus im Herbst zur Zeit des Laubhüttenfestes (Sukkot) geboren. Allerdings könnte der Tempeldienst ja auch anders organisiert gewesen sein, zB. mit eine einwöchigen Dienstzeit, zwei Mal im Jahr. Dann kommt zwar dennoch ungefähr die Zeit vor Sukkot raus – genauso wahrscheinlich wäre aber die Zeit rund ums Passahfest.

Das einfachste wird sein, wir bleiben einfach beim bisherigen Datum.Denn:

  • Paulus sagt, wir sollen uns an einzelnen Tagen nicht aufhängen (Galather 4,9-11). Also auch nicht daran, wann wir ein bestimmtes Fest feiern.
  • Das Ereignis an sich ist ja feierwürdig, auch ohne sich sicher sein zu müssen, wann genau es stattfand.

Sukkot als Vorbild für Weihnachten

Dennoch finde ich die Idee mit Sukkot als Geburtszeitraum Jesu äußerst reizvoll. Denn das Laubhüttenfest ist stark mit der Ankunft und Wiederkunft Jesu verbunden.

Es gibt sieben große jüdische Feste, organisiert in drei Festzyklen. Für den ersten rund ums Passahfest gibt es eine Erfüllung, nämlich Jesu Opfertod am Kreuz – und wir feiern heute Ostern. Auch für den zweiten, das Schawuot, gibt es einer Erfüllung: die Ausgießung des heiligen Geistes – und wir feiern heute Pfingsten. Aber für den letzten Zyklus rund um Sukkot gibt es keine christliches Gegenstück. Dabei könnte die Erfüllung die Geburt Jesu Christi sein.

Wie wäre es also, wenn wir an Weihnachten etwas von Sukkot übernehmen? Sollte kein Problem sein:

Sukkot ist der Abschluss des Herbstfestzyklus der Juden, der mit Rosh ha-Shana beginnt und an Yom Kippur seinen Höhepunkt hat. Diese drei Feste sind hübsch miteinander verwoben. Es geht darum, sich zu besinnen, zu reflektieren, ob man noch auf dem richtigen Weg ist und im Zweifel umzukehren. Dazu bittet man Gott um Vergebung und dieser deckt an Yom Kippur alle Sünden zu. EIn gnädiger, großzügiger Akt, der sich auch darin äußert, dass Gott sein Volk ein weiteres Jahr mit Regen und allem, was es braucht, versorgen wird. Juden sind in dieser Zeit deswegen großzügig zueinander. Es geht darum, sich zu erinnern, dass Gott einstmals in Zelten, bzw. Laubhütten bei seinem Volk gelebt hat und es eines Tages auch wieder tun wird. Es ist ein Erntedankfest und der Start des neuen jüdischen Jahres. Es ist eine Megaparty, eine Zeit, in der man sich gegenseitig einlädt und gut isst.

Wir sollten keine Probleme haben, diese Elemente zu integrieren oder?

  • Dann wäre die Adventszeit zum Beispiel eine Vorbereitungs- und Besinnungszeit.
  • Wir würden ans Licht bringen, wo wir auf dem falschen Dampfer waren und dann feiern, dass Gott uns seinen Erlöser geschickt hat.
  • Als Zeichen für Gottes Großzügigkeit könnten wir ebenfalls großzügig sein und uns gegenseitig beschenken.
  • Wir könnten uns gegenseitig einladen, Gemeinschaft haben und gut Essen.
  • Wir könnten auf das vergangene Jahr zurückblicken, das neue Jahr Gott hinlegen – und dann richtig dick Party machen.

Dürfte alles machbar sein. Würde helfen, die leeren Phrasen von Besinnlichkeit zu füllen und könnte so manchen Dorfpfarrer davor bewahren, in seiner Weihnachtspredigt etwas vom universellen Fest der Liebe zu schwafeln.

Ich habe zum Thema Sukkot übrigens auch mal eine Predigt gehalten. Kann man auf der Webseite von ICF Nürnberg anhören.

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