Viktor E. Frankl // Trotzdem Ja zum Leben sagen

Viktor Frankl war ein jüdischer Psychologe aus Österreich und überlebte das dritte Reich in diversen Konzentrationslagern. In seinem Buch … trotzdem Ja zum Leben sagen schildert er seine Beobachtung – und die Quintessenz als Theaterstück.

  • Take-Away: Die Umstände mögen noch so feindlich sein – jeder Mensch kann sich entscheiden, bewusst und gut zu handeln.
  • Ein Buch für: Menschen in der Opfer-Rolle, jeden, der seine Resilienz trainieren will.

Es sind die Sternstunden der Wissenschaft, in denen sie nicht für die Wissenschaft sondern für den Menschen schreibt. Das merkt man an einem einfachen aber exakten Schreibtstil. Und wenn dann auch noch Kunst dazukommt, wird’s einzigartig. Frankl hätte seine Buch auch drei Mal so lang schreiben können, er hätte es mit Fachbegriffen zuballern und an die eigenen Erfahrungen intensive Studien anschließen können. Hat er aber nicht. Und eine unheimlich wertvolle Botschaft hinterlassen:Zum Opfer machst du dich selbst. Deine Umstände sind nur eine Chance, dich auf höherem Niveau zu beweisen.

Das Büchlein fängt mit Beschreibungen an. Es ist gegliedert in die Aufnahme ins Lager, das Lagerleben selbst und schließlich die Zeit nach der Befreiung. Die Schrecken muss er nicht groß beschreiben, deswegen macht ers knapp. Uns sobald er sein Fundament gelegt hat, formuliert er seine These: Gut sein ist keine Kunst, wenn es einem gut geht. Wer vor seinen Umständen einknickt, verliert. Er macht sich selbst zum Opfer und bei Gelegenheit dann zum Täter, indem er andere Unterdrückt oder Rache übt.

Besser wäre es, seine Umstände als Chance zu begreifen, als höheres Level, als Möglichkeit, es sich selbst und dem Leben zu beweisen, wirklich gut zu sein. Um durchzuhalten bedarf es ein Ziel, etwas, was man dem Leben schuldet. Ja, dem Leben. Nicht das Leben hat die Aufgabe, einem Menschen eine gute Zeit zu bescheren. Sondern der Mensch hat eine Aufgabe im Leben unabhängig von den Umständen.

Diese Botschaft wird immer eindringlicher und im abschließenden Theaterstück dann eindeutig.

Starkes Buch. Wichtige Botschaft.

Keine Ahnung, warum auf dem Buchrücken von säkularer Literatur die Rede ist. Frankl ist Jude, er beschreibt religiöses Leben im Lager und warum Menschen mit Sinn für Religion eine größere Chance haben, das zu erkennen, was er entdeckt hat. Um seine Botschaft zu vermitteln greift er gar im Theaterstück auf freilich formlose Transzendenz und einen Himmel zurück. Alles andere als säkular.

Viktor E. Frankl // Trotzdem Ja zum Lebensagen
2. Auflage, Taschenbuch 1982 // 1977
dtv // Kösel Verlag
198 Seiten

3 Kommentare

  1. … ich bin erst vor kurzem auf V. Frankl gestoßen, als ich das Buch „Sinnquadrat“ von Peter Jedlicka gelesen habe, das ja auf Viktor Frankls Sinnkategorien fußt. Schade dass er nicht mehr so oft reflektiert wird ..

    Irene

    1. Finde ich auch. Ich bin über eine amerikanische Leseliste aufmerksam geworden und habs dann zufällig bei meinen Eltern rumliegen sehen. Vermute, dass dort noch weitere Literaturschätze warten. 🙂
      In Amerika erfreut sich das Buch scheinbar viel größerer Beliebtheit, wurde auch ordentlich abgesetzt.


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