Serenity Carter // Mapmaker Malique

Die Erde ist nur ein Dorf am Rande eines riesigen Ozeans. Und Mapmaker Malique macht sich auf, diesen Ozean zu erkunden. Trotz vieler guter Ansätze verkommt das Buch zu einer recht langweiligen Weltraum-Soap.

  • darum lesen: interessantes Setting, gute Ideen
  • darum nicht lesen: wahnsinnig viele Fehler, eine Story die viel zu lang auf der Stelle tritt

Ich liebe Karten. Und ich lese gerne über Charaktere, die ebenfalls Karten lieben, insbesondere wenn sie aus der Feder von Autoren kommen, die sich auch irgendwie für Karten begeistern können. Leider ist beides in Mapmaker Malique nicht der Fall. Das Buch hätte eher Geologe Georg oder so heißen müssen. Denn Malique ist kein Kartenkritzler, wie er selbst an Bord der interstellaren Raumstation ISSO abfällig genannt wird. Nein, er reist zu willkürlichen Planeten, setzt dort Geräte aus, die Messungen durchführen und Gesteinsproben usw. entnehmen und das wars. Er entdeckt keinen einzigen Weltraumkörper, zeichnet keine einzige Karte, findet keine neuen Routen oder Wurmverbindungen, stößt nicht in unbekannte Galaxien vor. Er führt ein ziemlich langweiliges Leben. Kein Wunder, dass er sich recht bal mit vollkommen anderen Dingen beschäftigt wie interstellaren Bibliotheken, Transportmissionen und Weltraumpiraten – was aber auch nicht viel spannender ist.

Gute Ideen

Das ist wirklich schade, denn die Autorin Serenity Amber Carter hat eigentlich ein paar ganz gute Ideen. Die Kugel, die man sich wie ein rohes Ei gegen den Körper klatscht und den Körper mit einem Weltraumanzug überzieht, Plasmatüren, Übersetzungsimplantate, 2D-Spezies (was natürlich Quatsch ist, aber in bisschen Quatsch darf schon sein), die großartige fünffache Mondfinsternis oder das unfreiwillige Pärchen Kriru und Snak, die sich nicht allzulange aus den Augen lassen dürfen, weil sie ohne täglichen Genaustausch (oder so ähnlich) sterben. Mir scheint aber, Frau Carter konnte sich nicht recht entscheiden zwischen all ihren Ideen, wollte sie allesamt unterbringen – was daneben ging, weil auch die Geschichte motivationslos mal in die eine, mal in die andere Richtung dümpelt. Erst nach 250 (!) Seiten entwickelt sich so langsam eine Art Mainplot, der dann aber auch recht fix erzählt ist:

Malique kommt auf eine Forschungsstation und womit dutzende Forscher schon seit Wochen oder gar Monaten beschäftigt sind (immerhin hat es sich gelohnt, eine ganze Forschungsstation aufzubauen), löst er mal eben und aus Versehen an zwei Tagen. Der Bösewicht ist in einem Kapitel erledigt, was auch kein Spoiler ist, weil es sich um das letzte Kapitel handelt. Gerade die Geschichten von Maliques beiden Begleiterinnen hätten wunderbar getaugt, ineinander verworren ein Buch zu tragen und Spannung aufzubauen.

Keine Charakterentwicklung

Nun, nicht so schlimm. Es gibt Bücher, in denen rein äußerlich noch weniger passiert. Der Fänger im Roggen fällt mir da spontan ein. Der Junge läuft ja auch nur rum und denkt nach. Aber es passiert ganz viel in ihm drin. Und auch das ist bei Geograph & Transporter Malique nicht der Fall, genausowenig bei seinen Begleitern. Einzige Ausnahme in Ansätzen die bereits erwähnten Snak und Kriru. Ansonsten sind die Charaktere auf der esten Seite exakt die gleichen wie auf der letzten Seite, nur dass der Leser die Geheimnisse, die die Figuren zu Beginn bereits hatten, erfahren hat. Alle Charaktere werden bei jeder Gelegenheit rot, sie alle ziehen sich gegenseitig auf und sind deswegen grundsätzlich beleidigt und sie alle können anhand des Gesichtsausdruck ihres Gegenübers deren gesamtes Seelenleben entschlüsseln, was zugegebenerweise nicht so schwer ist, weil da nur ein gewisses Basisrepertoire an Gefühlen verborgen ist.

Viele Fehler

Was mich wirklich stört ist die Rechtschreibung, Grammatik und der Stil. Es sind unendlich viele Fehler im Text. Im Impressum ist kein Lektorat vermerkt, ich vermute, dafür hat das Geld gefehlt. Kann ich schon verstehen. Kann teuer werden. Stört mich beim Lesen halt aber trotzdem. Wörter wiederholen sich, die Charaktere brabbeln dauernd. Auch der Erzählstil gefällt mir nicht, denn ständig wechselt die Autorin die Perspektive und immer, wenn es ihr passt, verrät sie die Gedanken und Motive einzelner Figuren. Diese allwissende Perspektive zieht sie aber nicht durch.

Der letzte Punkt geht wieder in Richtung verschenktes Potenzial. Denn Serenity Carter hat durch ihre Welt und ihre Ideen so viele Dinge angelegt, die man wunderbar hätte nutzen können. Warum nicht den Gedanken des Rassismus auf die Spezies ausweiten? Klingt an, geht aber unter. Stattdessen scheinen sämtliche Spezies das menschliche Schönheitsbild zu besitzen. Alle stehen sie auf die humanoide Eunuvea (allerdings ist der gesamte Weltraum arg Menschen- und Erdähnlich). Es gäbe X Gelegenheiten, andere Gesellschaftssysteme zu diskutieren. Passiert nicht. Kryo darf einmal einem platten Absatz die Menschheit kritisieren. Ein echte Auseinandersetzung mit dem Thema gibt es nicht. Frau Carter hätte Comics und Rollenspiele veralbern können – auch das wird nur angedeutet. Und einmal mehr hätten Snak und Kriru die Gelegenheit für einen großartigen Konflikt geboten, aber auch der bleibt platt.

Nicht falsch verstehen. Kein Buch braucht all diese Dinge. Aber Mapmaker Malique hat halt außer ein paar Ideen und einem Ende mit Potenzial nichts zu bieten. Mir ist das einfach zu wenig.

Etwas lobenswertes möchte ich noch erwähnen. Das Buch wird von einer Webseite begleitet mit Infos und Bildern zu den Charakteren einigen Kurzgeschichten. Das ist wirklich eine schöne Sache: mapmaker-malique.de

Serenity Amber Carter // Mapmaker Malique
1. Auflage 2018// Rezensionsexemplar
tredition
332 Seiten

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