Roger E. Olson // The Mosaic of Christian Belief

Buchcover: The Mosaic of Christian Belief

Wie ist das denn nun mit der Dreieinigkeit? Und hat der Mensch einen freien Willen? Welche Quellen eignen sich, um diese Fragen zu beantworten? The Mosaic of Christian Belief zeigt, wie die Kirche und verschiedene Theologen über die Jahrhunderte hinweg geantwortet habe.

  • darum lesen: um einen knappen Überblick über viele verschiedene theologische Meinungen zu erhalten
  • darum nicht lesen: weils zumindest am Stück doch recht ermüdend ist

Wer sich mit Theologie beschäftigt und Antworten auf Fragen sucht, muss aufpassen. Denn die Antworten repräsentieren oftmals nur eine bestimmte christliche Strömung – von denen es zahlreiche gibt. Genau das ist ein großer Kritikpunkt am christlichen Glauben: Wie kann das Christentum Recht haben, wenn sich seine Anhänger noch nicht einmal einig sind? The Mosaic of Christian Belief macht diese Uneinigkeit in wichtigen Fragen brutal deutlich. Viel spannender ist aber, wie krass einig Christen über die Jahrtausende eigentlich waren – und nur Details unterschiedlich beantworteten.

Zentrale Ansatzpunkt von Roger Olson ist ein sowohl als auch. Er will grundlegende Theologische Fragen nicht abschließend beantworten sondern zeigt, welche extremen gegensätzlichen Meinungen es gibt oder gab. Und wie diese Meinungen unter einen Hut zu bringen sind: vielleicht schließen sich die beiden gegensätzlichen Pole ja gar nicht aus. Vielleicht sind sie nur die beiden Seiten einer Münze. Gott ist ein Gott und er ist drei Personen. Der Mensch hat einen freien Willen und Gott weiß, was passieren wird. Die Bibel ist die wichtigste Quelle, aber die Tradition der Kirche kann dabei helfen, sie richtig zu interpretieren.

Die Kapitel sind alle gleich aufgebaut:

  • christlicher Konsens: alle christlichen Strömungen zu jeder Zeit waren der Meinung, dass …
  • Varianten des Konsens: dabei formulierte Kirchenvater X, während Theologe Y sagte, …
  • Abweichende Ansichten: folgende Theorien gab es, die aber von fast allen abgelehnt wurden …
  • Thologie der Einheit: zusammenfassend besteht der größte gemeinsame Nenner aus …

Das ist absolut sinnvoll. Nur auf Dauer etwas ermüdend. Würde eher nicht empfehlen, das Buch von vorne bis hinten durchzulesen sondern lieber zu einem bestimmten Thema nachzuschlagen. Denn im Grunde hakt Olson die immer gleichen Herren ab: Augustinian, Tertullian, Luther, Barth und so weiter. So bietet er auf äußerst knappen Raum einen guten Überblick und bildet auch noch die Kirchengeschichte ab. Das ist aber ein bisschen, als ob man die gleiche Strecke mit dem Auto immer und immer wieder fährt, und dabei lediglich zu einem anderen Fenster rausguckt.

Vollkommen klar muss dagegen sein, dass jede einzelne theologische Position nur äußerst knapp widergegeben werden kann. Auch die Bibel selbst kommt nur sehr kurz zu Wort. Kein Problem, kann man ja selbst nachlesen. Wirklich schade finde ich dagegen, dass Olson seinen Beobachterposten ab und an verlässt und sich selbst zu Meinungen darüber hinreißen lässt, welche Sichtweise nicht mit der Bibel vereinbar sei. Er hätte meiner Meinung nach ganz darauf verzichten sollen, Theologie zu schaffen und dabei bleiben sollen, historische Sichtweisen gegeneinander abzuwiegen.

Ich halte das Buch auch für Apologeten für recht sinnvoll. Zeigt es doch, dass die Auslegung wichtiger Fragen keineswegs wischiwaschi ist sondern über tausende Jahre gewissen Linien folgt und sich Christen überall auf der Welt und zu alle Zeiten bei den wichtigsten Themen weitgehend einig sind. Zwar gibt es jede Menge Abweichungen, aber das Gesamtbild ergibt ein wundervolles Mosaik. Steine, die aus dem Mosaik herausfallen sind aus verschiedenen Gründen isoliert – und auch darin sind sich die allermeisten Christen einig.

Roger E. Olson // The Mosaic of Christian Belief
2. überarbetete Auflage, Kindle Ausgabe // 2016, 2002
InterVarsity Press
396 Seiten

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