Rainer Maria Rilke // Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge

Rainer Maria Rilke hat jede Menge großartiger Gedichte geschrieben. Und einen einzigen Roman. Der ist ziemlich lyrisch, gruselig und verspult. Klingt leider deutlich besser, als es am Ende ist.

  • Take-Away: Ein Roman der auch von seiner literaturgeschichtlichen Bedeutung lebt.
  • Ein Buch für: Fans fragmentarischer, moderner Literatur. Menschen, die tief in Sprache einsinken können.

Malte Laurids Brigge ist der letzte Spross einer verarmten dänischen Adelsfamilie und lebt mittlerweile in Paris. Dort notiert er seine Aufzeichnungen, die seinen Niedergang, seine Kindheit und diverse weitere Persönlichkeiten dokumentieren. Eine Handlung gibt es nicht, die Aufzeichnungen sind Fragmente, zum Teil gibt es einen Zusammenhang oder gleiche Motive. Diese lassen sich aber nicht immer und nicht immer ohne weiteres entdecken.

Und genau das macht Die Aufzeichnungen zum ersten modernen Roman der Literaturgeschichte. Im Geiste dieses Buchs wandeln Berlin Alexanderplatz, Das Haus, Infinite Jest, … Wer in seinem Leben nur einen fragmentarischen Roman liest, könnte also den Malte Laurids Brigge lesen.

Das Genre ist schon anstrengend. Und dann kommt noch die Sprache dazu. Herr Rilke hat daran gefeilt, er hatte offenbar großen Anspruch. Sechs Jahre arbeitete er an den 200 Seiten und das, was er da geschrieben hat, wirkt an vielen Stellen immernoch nicht ausgegoren. Schöne Formulierungen ohne Ziel, übertrieben ausstaffierte Sätze, umständliche Worte. Bereitete mir nur selten Vergnügen. Welch Kontrast insbesondere zu seinem eigenen lyrischen Werk. Wird besonders deutlich, als er sein eigenes Gedicht Lied zitiert.

An sich finde ich den Stoff klasse. Diese Spaziergänge durch Paris. Der Niedergang. Der leichte Gruselfaktor. Kindheitserinnerungen und Probleme, mit dem Umfeld klarzukommen. Aber so, wie Rilke ihn umgesetzt hat, ist er leider nichts für mich. Kann mir momentan schwer vorstellen, warum ich dieses Buch ein zweites Mal lesen sollte.

Rainer Maria Rilke // Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge
Lizenzausgabe für die SZ 2004 // 1910
Süddeutsche Zeitung
206 Seiten

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