Ole Hallesby // Vom Beten

Wir sind ins Haus meiner Schwiegereltern gezogen, in die obere Wohnung, wo meine Frau auch ihre Kindheit und Jugend verbrachte. Da lag noch allerhand Zeug rum, auch diverse Bücher. Vieles davon war Schrott. Doch das Buch Vom Beten habe ich in unser Bücherregal übernommen. Und ich muss sagen: zum Teil finde ich es ganz ok.

  • Take-Away: Beten ist ein Kampf, Quelle von Leid, man kann falsch beten und … klingt ja begeisternd.
  • Ein Buch für: Junge Christen. Würde es aber nur eingeschränkt empfehlen.

Ole Hallesby ist 1961 gestorben. In den 40er Jahren hat er dem Nationalsozialismus Widerstand geleistet. Das Buch selbst stammt aus dem Jahr 1927 und ist sein wichtigstes Werk. Ein echter Klassiker des christlichen Glaubens, übersetzt in über 30 Sprachen. Schon allein, weils ein bedeutendes Buch ist, lohnt es sich, mal reinzulesen. Freilich wird dadurch der Inhalt nicht besser.

Hallesbys Grundaussage ist:

Beten heißt, unsere Herzen für Jesus öffnen.

Und das ist doch mal eine gute Aussage. Beten ist eine Möglichkeit, mit Gott zu kommunizieren. Es geht nicht darum, ihm Dinge zu verraten – er weiß ja ohnehin alles. Es geht darum, sich ihm anzuvertrauen und eben einfach mit ihm zu Quatschen. Weil Beten vielen Christen aber schwerfällt (und Nichtchristen erstrecht), möchte Hallesby zeigen, wie wir richtig beten sollen.

Und hier ist bereits der Knackpunkt. Die folgenden Tipps sind ja sicherlich teilweise richtig und wichtig. Aber es klingt halt alles so, als ob es auch falsches Beten gäbe. Aber ganz ehrlich: wenn Beten ein Gespräch mit unserem Papa im Himmel ist – dann kann es kein falsches Beten geben. Es entsteht der Eindruck, dass Hallesby meint, Christen würden in erster Linie beten, um zu bekommen. Und dass er einen mystischen Weg kennt, richtig zu beten, um tatsächlich zu bekommen, was man möchte. Also im Sinne: Du musst diesen Gebetsautomaten halt richtig bedienen, dann klappts auch.

Das ist nur mein Eindruck und an manchen Stellen relativiert Hallesby auch seine Aussagen. Mir reichts aber nicht. Und deswegen würde ich das Buch auch nur jemandem empfehlen, bei dem ich sicher bin, dass er kritisch lesen kann und nicht alles ungefiltert aufnimmt, nur weil es sich hier um einen Klassiker eines Glaubensheldens handelt.

Folgendes mag ich:

  • nur der heilige Geist kann uns beibringen, zu beten
  • falsch beten hat zur Folge, schnell zu ermüden
  • wer falsch betet, für den kann das Gebet zur Last werden
  • Beten im Namen Jesu heißt, seine geistliche Reife zu beanspruchen

Und Folgendes mag ich nicht so sehr:

  • wenn wir nicht um Arbeiter beten, beruft Gott auch keine Menschen in ihren Dienst
  • wenn wir nicht darum bitten, kann niemand den Weg zu Jesus finden
  • Gebet ist eine Quelle des Leids (weil wir im Egebt vom Teufel angegriffen werden) Whaaat?
  • wir dürfen Gott nicht bitten und betteln
  • Gott um Dinge für uns selbst zu bitten, ist Missbrauch

Das Buch ist mit 139 Seiten recht kurz und meines Erachtens fehlen auch ein paar Themen wie das Sündenbekenntnis, das Sprachengebet oder das Zuhören im Gebet.

Ole Hallesby // Vom Beten
deutsche Ausgabe von 2006 // 1927
Hänssler Verlag // Credo Forlag
139 Seiten

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