Mark Divine // Unbezwingbar wie ein Navy Seal

So stark und resistent und resilient werden wie ein Navy SEAL. Selbst in herausfordernden Situationen und in großer Belastung einen kühlen Kopf bewahren. Sich nicht von Botschaften und Umständen aus der Bahn werfen lassen. Klingt eigentlich ganz gut oder? Doch das Buch Unbezwingbar wie ein Nay SEAL kann seine Versprechen nicht halten.

  • darum lesen: interessante Geschichten von den Navy SEALS
  • darum nicht lesen: ansonsten vor allem Gelaber

Ich leide immer wieder unter depressiven Phasen. Und deswegen lese ich gerne Bücher, die sich so rund ums Thema Depression, Motivation und Resilienz drehen. Unbezwingbar wie ein Navy SEAL ist das schlechteste Buch zum Thema, das ich bisher gelesen habe. Das liegt in erster Linie daran, dass der Inhalt des Buches eigentlich folgender wäre:

Um so krass drauf zu sein wie ein Navy SEAL musst du ganz enfach trainieren wie ein Navy SEAL. Ein Buch zu lesen, wird eher nicht klappen. Aber pass auf, ich erzähl dir mal ein paar Geschichten. Und wenn dus genau wissen willst, wenden wir ein paar tolle Methoden an. Was dich wirklich krass macht, ist aber die Ausbildung zum Navy SEAL. Genau deswegen machen wir ja die Ausbildung und drücken unseren Leuten nicht einfach nur ein Buch in die Hand.

So ein Buch würde aber keiner kaufen. Also vermittelt Mark Divine was er nur kann und labert ansonsten ziemlich viel herum. Leider kann er weder gut labern noch ein Buch strukturieren.

Schlechte Struktur

Es fängt damit an, dass Mark Divine oder sein Lektor je zwei Kapitel zwanghaft in einen von 5 Schritten zwängt. Auch wenn das vollkommen unsinnig ist. Kapitel 2: Mentale Härte hat beispielsweise nichts mit dem ersten Schritt zu tun, bei dem man herausfinden soll, wer man wirklich ist und was man wirklich will. Es würde viel besser zu Schritt zwei passen, bei dem es um Disziplin geht. Kapitel 4: Die Bedeutung des Dienens dagegen ist beim Thema Disziplin nicht gut aufgehoben.

Divine hangelt sich von Tipp zu Tipp, strukturiert diese aber wenn überhaupt, dann so, dass die Struktur für maximale Verwirrung sorgt. So kündigt er immer wieder Dinge an, die dann nie folgen. Oder er spricht von vier Tipps, es folgen aber nur zwei. Wer fleißig sucht, stellt fest, dass der fehlende vierte Tipp ein paar Absätze zuvor bereits beschrieben wurde.

Ein letztes Beispiel: Die Schaubilder sind im Anhang – und nicht etwa dort, wo sie im Text angesprochen werden.

Viel Gelaber

Mag sein, dass Mark Divine ein guter Lehrer ist und zahlreiche Nuggets auf Lager hat. Aber er kann sie nicht beschreiben, seine Worte bleiben zu oft leere Hülsen. Ein Beispiel:

Das vierte Element der Belastbarkeit ist die Selbstmeisterung. Grundlage der Selbstmeisterung ist, dass Sie Ihr Warum kennen. Ihr Warum ist eng mit Ihrem Daseinszweck und Ihrer einen Sache verknüpft. Stellen Sie sich Ihren Daseinszweck als die Kraft hinter Ihrem Leben vor: Er ist der Grund dafür, dass Sie in dieser und keiner anderen Verkörperung Ihres Selbst auf der Welt sind.

Alles klar oder?

An anderer Stelle schreibt er, wie wichtig absolute Hingabe ist. Hingabe dem Team, dem einen Ziel, dem ominösen Warum. Nur um dann zu schreiben:

sehen Sie Ihren Einsatz mit Humor und achten Sie darauf, das wirkliche Leben nicht aus den Augen zu verlieren.

Ja, was denn jetzt? Soll ich mich reinknien, um mich verwirklichen zu können oder ist, das, worin ich da knie, gar nicht das richtige Leben? Und insofern eigentlich gar nicht relevant?

Hinter Divinves Vokabeln steckt in vielen Fällen rein gar nichts. Das verschleiert er durch lange Laberketten. A setz B, C und D voraus. B setzt E voraus. Und E erreichst du durch X und Y. Wie man X aber erreich, um E zu erreichen, was die Voraussetzung für B braucht, womit ich dann endlich A erreiche, sagt er nicht.

Sonstige Schwächen

Und das wars noch immer nicht:

  • Rechtschreibfehler
  • Übersetzungsfehler
  • Er zitiert sich selbst
  • seltsame Kindergartenvokabeln wie Mutwolf, Hirtenhund und Zoowärter
  • Abkürzungen werden nicht erklärt
  • Tipps, die bestensfalls in der Zombieapokalypse interessant wären

Lob zum Schluss

Wirklich gut ist das Buch nur dort, wo der Autor was konkretes, was handfestes erzählen kann: Von seinen Erlebnissen im Traininung und auf Einsätzen der Navy SEALS. Das ist wirklich spannend und klingt irgendwie nach James Bond oder zumindest Jason Bourne.

Das wars dann aber auch. Tja, Mark Divine lobt sich selbst für die großartige Leistung, in einem Jahr drei Bücher geschrieben zu haben. Natürlich ist das eine großartige Leistung. Aber vielleicht hätte er sich lieber auf eines konzentriert und sich etwas mehr Zeit gelassen. Dann wäre es vielleicht nicht so oberflächlich geworden.

Mark Divine // Unbezwingbar wie ein Navy SEAL
2. Auflage 2017 // 2011
riva // CreateSpace Independent Publishing Platform
219 Seiten

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