Kilian Stauss // Die Küche zum Leben

Kilian Stauss // Die Küche zum Leben
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Die Küche zum Leben ist eine philosophisch-soziologisch-historische Auseinandersetzung mit der Küche, die sich nie so ganz entscheiden kann, ob sie jetzt lieber Bildband oder doch lieber Magazin sein will.

  • darum lesen: phillsophisch und soziologisch teilweise interessante Texte zum Thema Küche. Horizont erweitern und so.
  • darum nicht lesen: teilweise leider etwas oberflächlich und als Bildband ein nicht sehr lesefreundliches Format

Ganz ehrlich: Ich habe keine Ahnung, wer das Zielpublikum dieses Buches ist. Architekten? Leute mit schönen Küchen? Kunden vom Möbel-Unternehmen Schüller? Die haben sich nämlich irgendwie, wie auch immer an diesem Buch beteiligt (mit Bildern und einem Interview mit dem Geschäftsführer Markus Schüller und sonst?). Oder tatsächlich Intellektuelle? Das Cover ist äußerst schlicht und fast schon langweilig, die Bilder im inneren sind toll aber müssen mit viel Text um Aufmerksamkeit kämpfen. Und die Texte sind teilweise richtig gut aber ich habe mich schon immer gefragt, wer sich so ein großformatiges Buch wirklich durchliest.

Nun, es lohnt sich, denn Die Küche zum Leben bietet interessante Einblicke, Häppchenweise. Es macht richtig Lust, eine Küche zu planen. natürlich als Teil eines architektonischen Gesamtkonzeptes. Natürlich unter berücksichtigung moderner Trends und der gesamten historischen Last. Es beginnt mit einem historischen Abriss, der in der frühesten Menschheitsgeschichte beginnt, dann aber relativ schnell im 20. Jahrhundert ankommt, wo das restliche Buch dann auch verweilt. Die Frankfurter Küche, die Systemküche, die Wohnküche, die Projektküche. Es geht über zu modernen Entwicklungen, es gibt Ausblicke in die Zukunft (Smart Home und die Grüne Küche). Und dann gehts ins Detail: Wasserkessel, Griffe, Arbeitsflächen, …

Und über all diese Dinge schreiben die Autoren mit Spaß an Philosophie und Soziologie. Ja, Kilian Stauss ist nämlich vielmehr Projektleiter oder wenigstens Herausgeber. Zum einen hat er einen Co-Autoren: Herbert Lechner. Und dann kommen allerhand weitere Gastautoren zu Wort:

Also, das sind schon ziemlich hochklassige Autoren. Und trotzdem sind die Texte oftmals leider etwas oberflächig. In einem Bildband ok, weil da liest ja eh keiner. Für ein philosophisch angehauchtes Werk der Todesstoß. Und in einem Magazin? Naja, da kommt so eine Bandbreite an Autoren und Themen und Qualitäten eben zusammen. Aber trotzdem. Sowas will sich doch keiner erklären lassen:

Will man beispielsweise eine Salatschüssel in den Kühlschrank stellen, muss diese abgesetzt werden können, um die Tür zu öffnen.

Ich meine, das ist trotz seiner Banalität halt einfach falsch. Aber es gibt auch schönere Sätze:

Viel Spaß also bei den erfolglosen Versuchen, die Welt, die Küche oder auch nur einen kleinen Teil daraus daduktiv sortieren zu wollen. Vieles enzieht sich dem und will induktiv bleiben, anregend sein.

Dieses Zitat stammt übrigens aus dem Beitrag über die Küchenschublade. Einer der besten Texte im Buch.

Klar ist auch, dass sich die Themen überschneiden. Der Wandel der Rolle der Frau oder Smart Home und Küche kommen jeweils locker dreifach vor. Ist ok. Dafür gibts Einblicke in die japanische Küchenkultur und ethnologische Betrachtungen darüberhinaus, die grüne Küche der Zukunft, Massenspeisung und Aufklärung über Küchenmythen. Dazu die für Zeitschriften scheinbar obligatorische Zahlenrubrik.

Alles in allem macht dieses Buch durchaus Spaß und ist in einer modernen Wohnküche, in der bereits ausreichend Kochbücher untergekommen sind, sicherlich gut aufgehoben.

Text basiert auf kostenlosem Rezensionsexemplar

Kilian Stauss // Die Küche zum Leben
1. Auflage 2018
DVA
189 Seiten

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