Kelly Starrett // Ready to Run

Eigentlich würde ich gerne mal einen Marathon laufen. Zweimal musste ich bereits abbrechen, wegen denselben Schmerzen im Knie. Beim ersten Mal veränderte ich meinen Laufstil. Jetzt, beim zweiten Mal, las ich Ready to Run.

  • Take-Away: Ein kleiner Einblick in die Mechanik des Körpers. Und: für Massagen muss ich nicht viel Geld ausgeben. Wenn das alles auch noch beim Laufen hilft …
  • Ein Buch für: jeden halbwegs ambitionierten Läufer.

Über Kelly Starret stolperte ich vor Jahren, als gerade Pistols trainierte und feststellte, keine wirklich tiefen Kniebeugen machen zu können. Im Internet fand ich eine Übung, die Kelly Starret präsentierte. Sie wirkte Wunder. Tiefe Liegestütz sind kein Problem mehr.

Später machte ich ein paar Liegestütze zu viel und bekam Schulterschmerzen. Wieder machte ich mich auf die Suche, wieder fand ich Starrett, wieder half er mir. Dann kaufte ich mir sein Buch Werde ein geschmeidiger Leopard und verwendete die Übungen bei Beweglichkeitsproblemen oder Schmerzen.

Kein Wunder, dass ich jetzt wieder Kelly Starrett konsultiere, jetzt, da ich zum zweiten Mal in meinem Leben das Laufen aufgeben musste. Nächste Woche steige ich wieder ins Lauftraining ein und ich sage euch, wie es klappt.

Starrett ist der Meinung, fast jeder müsse laufen können und alle Probleme und Schmerzen rührten von falschen Schuhen, Haltungsproblemen und verklebten Muskeln und dergleichen. Deswegen etabliert er 12 Standards für gesundes Laufen:

  1. Neutrale Fußstellung
  2. Flache Schuhe
  3. Elastische Brustwirbelsäule
  4. Effiziente Squattechnik
  5. Hüftbeugung
  6. Hüftstreckung
  7. Sprunggelenkbeweglichkeit
  8. Aufwärmen und Abwärmen
  9. Kompressionsstrümpfe
  10. Schluss mit akuten Schmerzen
  11. Hydration
  12. Abspringen und Landen

In dieser Reihenfolge kommen die Standards auch im Buch vor. Ich hätte sie ja anders gegliedert. Flache Schuhe und Kompressionsstrümpfe kauft man halt, dann ist der Standard kein Problem mehr. Hydration sowie Auf- und Abwärmen muss man einfach machen, das sind Disziplinfragen und hat mit Gewohnheit zu tun. Alle anderen Standards muss man überprüfen und kann im Zweifel dran arbeiten.

Um genau das tun zu können, zeigt Starret knapp 40 Übungen, allesamt Stretches oder Faszienübungen. Die meisten recht einfach umsetzbar, manche sind kompliziert und andere nur mit Partner machbar. Für fast alle braucht man etwas Material. Die Lacrossebälle hatte ich ohnehin schon. Eine Faszienrolle habe ich extra gekauft. In Zukunft werde ich noch in einen Softball und in Voodoobänder investieren. Dann habe ich aber noch nicht alles Equipment.

Diese Übungen sollte man laut Starrett täglich anwenden, je nach Verletzungen, Schmerzen und Einschränkungen. Diese Disziplin fehlt mir noch, aber ich gebe mir Mühe. Das gute ist, dass man viele Übungen wunderbar durchführen kann, während man vor dem Fernseher sitzt oder auch auf dem Bürostuhl.

A propos Bürostuhl. Den hasst Starret absolut. Hat ein weiteres Buch rausgebracht: Sitzen ist das neue Rauchen. Krasse These. Etwas übertrieben vielleicht. Aber ich bin geneigt, ihm zu vertrauen – und auf der Arbeit einen Stehtisch zu fordern.

Die Texte im Buch sind nicht übertrieben gut, ich habe vieles diagonal gelesen. Auch die Texte seines Co-Autors TJ Murphy habe ich schnell überblättert. Belangloses Zeug. Dass er überhaupt an diesem Buch beteiligt ist, hat wohl einen einzigen Grund: Street Credibility. Denn Murphy ist ehemaliger Profiläufer, Starrett kommt dagegen vom Crossfit und sieht entsprechend aus. Schon fast moppelig. Und welcher Läufer möchte sich von einem Moppel sagen lassen, wie man richtig läuft?

Kelly Starrett // Ready to Run
2. Auflage 2017 // 2014
riva Verlag // Victory Belt Publishing
274 Seiten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.