James Ellroy // The Black Dahlia

The Black Dahlia Buchcover

Ich las The Black Dahlia in erster Linie, weil ich mal wieder einen Bestseller lesen wollte. War mir eine willkommene Abwechslung zu all den komplizierteren Texten der letzten Zeit. Hätte mich ja auch vorher mal informieren können, dann hätte ich gewusst, welch großartiges Kriminalwerk im Stile des Film-Noir mich erwartet. Das Buch schoss direkt in die Liste der besten Bücher, die ich je gelesen habe.

  • Darum lesen: packend, realistisch, keine Szene und kein Wort zu viel. Der wichtigste Roman des Autors.
  • Darum nicht lesen: sehr brutal, lange Zeit etwas gemächlich

Die schwarze Dahlie war das Opfer eines berühmten Mordes in Los Angeles, der nie aufgeklärt wurde. James Ellroy greift diese Geschichte auf, abgesehen von der Tat und dem Namen des Opfers schreibt er seine eigene Geschichte über ein leichtes Mädchen, dass auch nach ihrem Tod noch die Männer in ihren Bann zieht und sie nicht mehr loslässt. Die beiden Hauptfiguren Lee Blanchard und Bucky Bleichert verlieren sich auf ganz unterschiedliche Weise in diesem Kriminalfall. Gleich zu Beginn: im Buch wird der Mord aufgeklärt. Das ist kein Spoiler. Im Gegenteil. Ich rechnete damit, den Mörder nicht zu erfahren und wusste nach der Hälfte des Buches nicht, was der Autor eigentlich bezwecken will. Wozu all diese Spuren und Verdächtigen? Nun, im Nachhinein weiß ich: alles hat seinen Sinn und Zweck in diesem Buch.

Ellroy hat die Sprache in The Black Dahlia an die Figuren und das Polizei-Milieu angepasst. Macht das Verständnis des Originaltextes nicht immer leicht. Passt aber zum Realismus, der sich durch das ganze Buch zieht. Da geht eben mal nichts voran bei den Entwicklungen. Da sind die Helden nicht überzeichnet sondern versagen oder verdaddeln etwas. Und dennoch ist die Geschichte sehr straff erzählt, vor allem im Nachhinein ergeben viele Szenen einen Sinn. Der Realismus sorgt aber auch dafür, dass die Gewalt echt krass ist. Ich meine, der Mord an der schwarzen Dahlie war brutal und wenn jemand erschossen wird, ist das ne üble Sache. Nicht so leicht zu verkraften, jemanden getötet zu haben. Da muss sich Bucky Bleichert halt übergeben.

Nach der ersten Hälfte des Buches nimmt die Geschichte richtig Fahrt auf. Die Erzählung löst sich von der Black Dahlia und erkundet weitere Stränge, die am Ende aber alle wieder zusammenführen. Spätestens ab diesem Zeitpunkt konnte ich das Buch nur schwer zur Seite legen.

Ich habe mir eine Filmausgabe gekauft. Solche Ausgaben mag ich eigentlich nicht, aber ich habs beim Kauf im Internet nicht bemerkt. War letztendlich aber eine gute Sache, denn James McEllroy hat anlässlich der Verfilmung ein Nachwort geschrieben, dass seine Verbindung mit der Geschichte etwas erklärt:

  • er hat mal in der Nähe des Ortes gewohnt, an dem die Leiche gefunden wurde
  • in Wirklichkeit war die Schwarze Dahlie kein ganz so leichtes Mädchen
  • Ellroys Mutter wurde vergewaltigt und getötet als er elf war
  • Die Mutter fließt in The Black Dahlia wir ein Geist ein und beherrscht der Autor ähnlich, wie das Mordopfer die Polizisten beherrscht

Und ich finde ja, dass diese Informationen alles verändern.

James Ellroy // The Black Dahlia
Ausgabe zum Film mit Nachwort, 2006 // 1987
Grand Central Publishing // Hachette Book Group
371 Seiten

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