Hans Peter Roentgen // Vier Seiten für ein Halleluja

Hans Peter Roentgen bespricht in seinem Buch Vier Seiten für ein Halleluja die Anfänge von echten Geschichten, allesamt eingesendet von Möchtegernautoren und solchen, die später tatsächlich verlegt wurden. An diesen Texten zeigt er exemplarisch (Anfänger)Fehler auf.

  • Take-Away: Kürzen, kürzen, kürzen
  • Ein Buch für: alle, die besser schreiben wollen

Dieses Buch zu lesen hat so ein bisschen Quizfeeling:

OK, an dieser Geschichte ist dieses und jenes nicht ganz stimmig, das gefällt mir aber eigentlich ganz gut. Hm, was meint denn der gute Hans Peter.

Dann beschreibt er irgendwas und ich denke mir: najaaa. Aber dann zeigt er, wie der Text aussehen könnte, wenn man ihn nach seinen Vorgaben ändern würde – und tatsächlich wird der Text besser.

Es folgen sogleich Übungen, um das eben Gelernte am vorgegebenen Text oder an eigenen Texten auszuprobieren. Wer diese Übungen durchzieht, kann viele Stunden mit diesem Buch verbringen. Bei den Tipps handelt es sich zu Teilen um Standardtipps, wie keine Adverbien, die Zeitform einhalten, show don’t tell. Aber die Präsentation ist halt einfach wirkungsvoll.Und Herr Roentgen hat richtig viel Erfahrung, ist an einem Autorennesletter beteiligt, in diversen Schreibgruppen und -foren aktiv und bietet Workshops an.

Leider bespricht er in seinem Buch nur die Fehler, die halt zufälligerweise in diesen 19 Texten vorkommen. Das Buch ist doch recht dünn, warum nicht noch sechs Texte draufpacken? Warum nicht noch durch ein paar stilistische Texte ergänzen? Warum nicht ein paar Übungstexte anhängen samt knappem Lösungsschlüssel?

Aber gut, Herr Roentgen und der Verlag haben sich halt so entschieden und es ist ja dennoch hilfreich. Wirklich nachteilig finde ich dagegen die Gliederung. Die Texte sind scheinbar wahllos hintereinandergeklatscht. Das hätte man schon in eine bessere Reihenfolge bringen können. Die Fehler besser arrangieren, in eine Dramaturgie bringen. Und – ganz übel – das Inhaltsverzeichnis ist einfach nur eine Auflistung aller Zwischenüberschriften. Dummerweise gibt’s zu jedem Text mindestens eine, manchmal, auch drei Übungen – die allesamt mit „Übung“ im Inhaltsverzeichnis stehen. Superpraktisch. Nicht.

Ich kann das Buch dennoch empfehlen. Mein Gefühl für Geschichten und Texte verbesserte sich dadurch. Die 4 Seiten sind eine gute Ergänzung zu den 3 Seiten für ein Exposé, wo es eben ums Exposé geht, anhand dessen aber generelle Storyschwächen (nicht Textschwächen) aufgezeigt werden.

Hans Peter Roentgen // Vier Seiten für ein Halleluja
Neue verbesserte Auflage 2017
Sieben-Verlag
195 Seiten

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