David Marshall // Jesus is no myth

Jesus is no myth ist eine eher unbekanntes Buch eines eher unbekannten Autors. Schade eigentlich. Denn David Marshall setzt sich mit bekannten Jesus-kritischen Büchern der vergangenen Jahr auseinander, die zum Teil Bestseller wurden – aber erhebliche Schwächen und Fehler aufweisen. Diese deckt der Theologe und Autor auf. Faszinierend.

  • Take-away: Jesus erfüllt nicht nur jüdische sondern auch indische, chinesische und nordische Prophezeiungen.
  • Ein Buch für: Apologeten, Zweifler und Atheisten, die sich auch mit der Gegenseite auseinandersetzen wollen.

Jesus is no myth liefert kaum eigene Inhalte. Es ist im Grunde eine sehr ausführliche und intensive Kritik dreier Bücher:

  • Richard Carrier: On the Historicity of Jesus // Proving History
  • Bart Ehrman: How Jesus Became God
  • Reza Azlan: Zealot

Marshall setzt sich mit den Argumenten dieser Atheisten auseinander, die allesamt in eine ähnliche Richtung gehen: Die Berichte von Jesus ähneln bestimmten anderen Werken/Figuren und sind daher nicht geschichtlich relevant – oder nur insofern, dass sie Jesus bestätigen, in ihrem übernatürlichen Inhalt aber unglaubwürdig wären:

  • Sol Invictus
  • Apollonius von Tyana
  • Die Argonautensage
  • Baal Shem Tov

Um diese Ähnlichkeit zu relativieren und damit die Argumente zu entkräften geht Marshall nach einem bestimmten Schema vor:

  1. Zunächst sammelt er gängige Kriterien, die für die historische Glaubwürdigkeit von Texten sprechen.
  2. Dann ergänzt er diese durch weitere Kriterien, die speziell in den Evangelien zu finden sind.
  3. Nun untersucht er die Kriterien der jeweiligen Buchautoren.
  4. Er untersucht die Werke, mit denen die Kritiker die Bibel vergleichen, anhand seines umfassenden Kriterienkatalogs.
  5. Und untersucht noch weitere ähnliche Werke.
  6. Er kommt so zu dem Ergebnis, dass die Evangelien durchaus für sich stehen und historisch relevant sind.

Das ganze resultiert in ausführlichen Untersuchungen antiker Literatur und Folklore. Das ist schon recht eindrucksvoll und entlarvend für all die neutestamentlichen Forscher, die in ihren Werken Fakten verschweigen oder verdrehen. Marshall wirft ihnen vor, die Evangelien nach Schwächen zu durchforsten, diese dann als ultimative Kriterien hinzustellen und alles, was gegen die eigene Argumentation oder für die Evangelien sprechen würde, zu ignorieren. Als Reaktion auf Jesus is no myth behauptete Carrier übrigens, Marshall würde sich Kriterien ausdenken. Ziemlich schwache Antwort, wie ich finde. Da sollte er sich schon die Mühe machen und aufzeigen, warum Marshalls Kriterien nicht zulässig sind.

Jesus ist halt einfach ein Produkt seiner Zeit, der den damaligen Göttergeschichten ähnelt und das anspricht, was die Menschen sowieso geglaubt haben.

Die Argumente der Jesus-Kritiker funktioniern alle auf die gleiche Weise: Jesus ist halt einfach ein Produkt seiner Zeit, der den damaligen Göttergeschichten ähnelt und das anspricht, was die Menschen sowieso geglaubt haben. David Marshall zeigt allerdings, dass Jesus auch Geschichten und Überzeugungen in anderen Religionen und Kulturkreisen entspricht. Spannend sind insbesondere seine Analysen der chinesischen Schriftzeichen und Hinweise auf Jesus, die darin verborgen sind – freilich alles keine Beweise.

Jesus is no myth ist im Eigenverlag erschienen. Das dürfte auch der Grund sein für diverse Grammatik- als auch Rechtschreibfehler, sowie Fehler im Layout. Keine große Sache, aber stört ein wenig. Vom Stil her könnte dieses Buch auch etwas neutraler sein, insbesondere an den Stellen, an denen Marshall sich über seine Widersacher lustig macht.

Auf das Buch folgte übrigens eine Debatte zwischen Carrier und Marshall im Radio, die dann auf den Blogs der beiden Autoren fortgesetzt wurde. Während Carrier getroffen scheint, Marshall der Lüge bezichtigt und ihn übel beleidigt, bleibt Marshall ruhig und gibt auch eigene Fehler zu. Der Punkt geht meines Erachtens an Marshall.

http://christthetao.blogspot.de/2017/01/thank-you-richard-carrier-but-i-dont.html

David Marshall’s Bizarre & Dishonest Defense of the Historicity of Jesus

David Marshall // Jesus is no myth
Kindle Edition // 2017
Kuai Mu Press
310 Seiten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.