Sin-leqe Unnini // Das Gilgamesch Epos

Angeblich wurde das Buch für die E-Book-Ausgabe extra überarbeitet. Damit können nur nachträglich eingebaute Rechtschreibfehler und entfernte Leerzeichen gemeint sein. Denn eine typographische Gestaltung ist nicht wirklich vorhanden und auch von einem Layout kann eigentlich nicht die Rede sein. Ein lieblos dahingerotzter gemeinfreier Text. Na Dankeschön.

  • Take-Away: Das Gilgamesch ist keine ernstzunehmende Vorlage für die Sintflutgeschichte der Bibel
  • Ein Buch für: niemanden. Zumindest nicht in dieser Ausstattung. Ansonsten halt für Menschen, die an der Antike interessiert sind.

Der Gilgamesch Epos wird in dieser Version angeblich von einem Kommentar begleitet, verdient diesen Namen aber nicht. In Wirklichkeit handelt es sich um eine knappe und unvollständige Zusammenfassung, Markierungen fehlender Textquellen und eine falsche Anmerkung zur letzten Tafel. Die Autoren vermuten, es handele sich dabei um eine Art Anhang, denn die Figur Enkidu sei ja bereits zuvor gestorben. Anhang? Was eine blödsinnige Idee, ist doch der gesamte Epos eine Textsammlung voneinander unabhängiger Quellen, redaktionell bearbeitet. Inwieweit sollte denn die zwölfte Tafel mehr Anhang sein als die elfte? Im Text selbst wird eigentlich recht klar, dass es sich um eine Totenreich-Szene handelt. Spätestens das zeigt mir, dass ich Geldmachern aufgesessen bin.

Bei der Übersetzung handelt es sich um die erste deutsche Version von Alfred Jeremias aus dem Jahr 1891. Sie ist gemeinfrei, was aber kein Grund ist, sie fehlerhaft und lieblos zu präsentieren und dann auch noch zu behaupten, sie sei überarbeitet. Der Text liest sich wie eine Interlinearübersetzung, also ohne grammatikalische und sprachliche Anpassung an die Zielsprache. Sprich: äußerst schwaches Deutsch.

Das gebundene Buch mit schlappen 100 Seiten kostet 20 Euro. Wahrscheinlich ist der Preis nur deshalb so hoch angesetzt, damit Idioten wie ich 1,50 fürs E-Book zahlen und das für ein Schnäppchen halten. Tja, reingefallen, jetzt werde ich mir das Gilgamesch Epos wohl noch einmal kaufen müssen. Dann hoffentlich in vernünftiger Übersetzung.
Auch dann erst kann ich wirklich was zum Inhalt sagen. Grob erinnert mich die Geschichte an griechische Sagen und an die Bibel. Die Parallele zur Sintflutgeschichte ist interessant, die biblische Version aber deutlich hochwertiger und detaillierter. Eine Original-Kopie-Beziehung erscheint möglich, wie genau diese ausgestaltet ist, bleibt mir bislang unklar. Dass die biblische Geschichte eine simple Kopie ist, erscheint mir unwahrscheinlich.

Sin-leqe Unnini // Das Gilgamesch Epos
E-Book-Ausgabe 2014, erste deutsche Übersetzung Alfred Jeremias 1891, Redaktion: 1.200 v. chr.
Moderne Zeiten // textkompetenz.net 
101 Seiten

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