Barack Obama // Wo wir stehen

Wo wir stehen ist ein kleines Büchlein, der Abdruck einer Rede, die Barack Obama am 7. September 2018 an der University of Illinois anlässlich der Entgegennahme des Douglas Award for Ethics in Government hielt. Es handelt sich bei der Rede außerdem um einen Wahlkampfbeitrag anlässlich der Midterms.

  • Darum lesen: kurz, gut, wichtig.
  • Darum nicht lesen: bei all der Kürze dennoch etwa die Hälfte Wahlkampfgeblubber

Obama redet über die Geschichte Amerikas und der Demokratie und reißt an, wie sich die derzeitige politische Lage unter Donald Trump entwickeln konnte. Er schimpft über Trump und die Verfassung der konservativen republikanischen Machtelite, lobt die Leistung seiner eigenen Regierung. Bin mir nicht sicher, ob dieser mittlere Teil seiner Rede so gelungen ist.

Anschließend plädiert er für Demokratie, für Streitkultur, für langsame Prozesse der Veränderung, für den Glauben an eben jene und dafür, dass Amerika seine eigenen Ideale nicht vergessen dürfe, wenn sich Amerika denn zum Guten verändern solle. Um genau zu sein, sollen die Menschen wählen gehen, sich am Diskurs beteiligen, nicht nur politsch aktiv werden und die Hoffnung nicht aufgeben. Er meint allerdings nicht die Hoffnung auf einen Wahlsieg der Demokraten, sondern Hoffnung auf Demokratie, Gleichberechtigung und Chancengleichheit. Um dieses Anliegen zu unterstreichen und nicht etwa in den Verdacht der Schwarz-Weiß-Malerei zu kommen, kramt Obama noch einmal in der Geschichtstruhe und sucht positive und negative politische Beispiele sowohl aus den Reihen der Demokraten als auch der Republikaner.

Die Rede ist ein wichtiger Beitrag zur Lage in Amerika. Aber auch für uns in Deutschland ist sie interessant. Gewisse Tendenzen sind ja auch bei uns zu beobachten – Stichwort AfD. Und einen Grundgedanken der Rede Obamas griff auch Bundespräsident Steinmeier in seiner Weihnachtsansprache auf: Den der Diskussionskultur. Einerseits an seinen eigenen Werten festzuhalten, andererseits andere nicht unterzubuttern, nur weil diese andere Werte vertreten. Sich nicht damit zufrieden zu geben, andere auf den Sozialen Medien der Dummheit, Unkenntnis oder zugehörigkeit extremer Gruppen zu bezichtigen, sondern sich auf einen ehrlichen und integren Streit einzulassen.

Wir werden es nicht schaffen, wenn wir dem, was andere zu sagen haben, immer gleich mit Missbilligung begegnen. Weil diese anderen nicht so sind wie wir, weil sie weiß sind oder schwarz oder weil sie Männer sind oder Frauen weil sie schwul sind, lesbisch oder hetero. Wenn wir denken, dass sie unsere Ansichten sowieso nicht verstehen und deswegen nicht berechtigt sind, sich zu bestimmten Dingen zu äußern, nur weil wir festgelegt sind auf ein paar äußerliche Merkmale.

Barack Obama

Barack Obama // Wo wir stehen
2. Auflage 2018
Suhrkamp // The Office of Barack and Michelle Obama
58 Seiten

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