Arto Paasilinna // Der wunderbare Massenselbsmord

Warum sich alleine töten, wenn man das auch in der Gruppe erledigen kann? Könnte doch eine interessante Erfahrung sein, auf dem Weg dorthin kann man sich unterstützen und gemeinsam einen Weg finden, ehrenvoll zu sterben.

  • Take-away: Diverse Wege glücklich zu werden, humorvoll verpackt. Zwei/drei Wege, Selbstmord zu begehen.
  • Ein Buch für: potenzielle Selbstmörder, Leute mit dunklem Humor

Habe das Buch ratzfatz durchgerockt: angenehmer Stil, zurückhaltend, relativ sachlich aber mit diesem trockenen, zaghaften Humor, lakonisch gesetzt. Übermäßig düster ist das alles gar nicht mal. Aber das Thema ist natürlich eher schwer. Und dieser Schwere lässt Paasilinna sogar relativ viel Platz, zum Beispiel, wenn er einige Einzelschicksale der Selbstmördergruppe beschreibt – und auch ernst nimmt. Kein lustiges Wort in diesen Textabschnitten.

Humor entsteht eher durch die unpersönliche, distanzierte Beschreibung dessen, was die gesamte Gruppe tut. Während alle Einzelpersonen tieftraurig sind, ist die Gruppe üblicherweise gut gelaunt und wächst über sich heraus, etwa als sie eine Gruppe zahlenmäßig überlegener Hooligans verprügeln.

Die Geschichte ist in zwei Teile geteilt, der erste spielt in Finnland, der zweite im restlichen Europa. Richtig zwingend ist die Entwicklung im zweiten Teil nicht mehr. Die Grundzüge der Geschichte, die Motive und Gedanken gab es allesamt im ersten Teil schon. Auf mich wirkt das, als ob aus einem guten Schluss seitenmäßig möglichst viel herausgeholt werden sollte – und dieser dadurch arg verwässert wurde.

Die Selbstmörder lernen auf ihrer gemeinsamen Fahrt und ohne es selbst zu merken, zahlreiche Wege kennen, mit ihrer Traurigkeit umzugehen:

  • Unter Leute gehen, soziale Kontakte knüpfen und pflegen
  • Reflektieren und über seine Probleme reden
  • Sich ablenken
  • Anderen helfen
  • Dinge genießen
  • Heute-ist-der-letzte-Tag-Einstellung

Dadurch ist das Buch tatsächlich mehr, als nur ein lustiger Roman mit schwarzem Humor.

Arto Paasilinna // Der wunderbare Massenselbsmord
9. Auflage 2009 // 1990
BLT
283 Seiten

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