Stephen Lawhead // Die Pendragon Saga

Stephen Lawhead // Die Pendragon Saga

Als Kind las ich das Lied von Albion von Stephen Lawhead. Die Fantasy Trilogie gehört immernoch zu meinen Lieblingsbüchern. Und deswegen las ich weitere Lawhead-Bücher, was damals mit der Pendragon Saga allerdings ein Ende hatte. Bereits das zweite Buch las ich nicht mehr zu Ende. Jetzt habe ich das endlich nachgeholt – und wurde nur teilweise enttäuscht.

Take-Away: Selbst die besten Führer müssen mit Widerstand und Rebellion zurechtkommen.

Ein Buch für: Mittelalter- und Sagenfans, Leser historischer Bücher

Die Pendragon Saga erzählt einen Zeitraum von mehreren 100 Jahren, von etwa 200 bis 500 nach Christus. Zwei Charaktere begleiten den Leser über alle vier Bücher hinweg: Charis, die Dame vom See und ihr Vatar Avallach – die also mehrere 100 Jahre alt werden. Sie gehören dem Feenvolk an und müssen im ersten Buch Talisien von der untergehenden Insel Atlantis fliehen.

Womit dann auch schon die Grenzen historischer Romane gesprengt wären.

Die Pendragon Saga ist schon auch ein Fantasybuch, ohnehin spielt eine exakte Sagenforschung oder Geschichtsschreibung keine Rolle:

  • Die Wandalen tauchen in Irland auf
  • die Briten sind bereits im Jahr 300 n. Chr. ein eigenständiges Volk
  • Josef von Arimathäa brachte den Abendmalskelch, den heiligen Gral nach, England
  • Nimue ist nicht die Geliebte Merlins sondern eine Rolle, in die Merlins Widersacherin Morgian schlüpft
  • Die Dame vom See ist Merlins Mutter

Die Geschichte, die Lawhead daraus strickt, ist aber spannend und gut zu lesen. Im Endeffekt geht es um die Geburt Britanniens, um die Abwägung keltischer Traditionen gegenüber der damals neuen christlichen Religion und um wahre Leiterschaft. Diese Themen werden in erster Linie anhand der wichtigsten beiden Figuren Merlin und Artus beschrieben. Und insbesondere Merlin wird wirklich ausführlich porträtiert. Lawhead beginnt bei seinen Großeltern, bzw. Ur-Großeltern: Avallach, einer von neun Königen auf Atlantis und Gwydno Garanhir, Keltenführer in Nordwales. Es geht weiter mit seinen Eltern: Charis, die in jugendlicher Rebellion aus ihrem Elternhaus flieht und Stierkämpferin wird und Taliesin, der von Elphin, Gwydnos Sohn, in der Wildnis gefunden wird und dessen Pechsträhne beendet.

Das beste Buch der Serie ist der zweite Band Merlin, indem aus dem begabten Halbwaisen erst ein König, dann ein Einsiedler und schließlich der Barde/Magier/Ratgeber wird, der letztendlich Artus zum Hochkönig macht.

Das schlechteste Buch ist dagegen der letzte Band Pendragon, der eine nachträgliche Ergänzung zu sein scheint. Die Geschichte ist mit dem dritten Band Artus eigentlich abgeschlossen und zwar auf eine endgültige Weise. Es scheint fast, dass Lawhead mit seiner Trilogie erfolgreich war und dann – vom Verlag ermutigt? – versuchte, eine Serie zu starten. Pendragon spielt mehr oder weniger parallel zu Artus, wiederholt gar einzelne Textpassagen und schummelt dann die Auseinandersetzung mit den Wandalen in Irland und England in die Geschichte. Wozu das alles lesen? Wenn dieser Kriegszug so wichtig ist, hätte er doch zuvor schon erzählt werden müssen? Und er ist wichtig. Immerhin wird Artus lebensgefährlich verletzt und durch den heiligen Gral gerettet.

Im übrigen ist dieser nicht das zentrale Thema des Buches – anders als der Untertitel der deutschen Ausgabe vermuten lässt. Die letzten Sätze des Buches Pendragon lassen vielmehr vermuten, dass ein fünfter Band geplant war, indem es dann tatsächlich um den Heiligen Gral gegangen wäre. Es ist gut, dass es diesen nicht gibt, noch besser wäre es gewesen, wäre es bei einer Trilogie geblieben.

Nachtrag: Tatsächlich gibt es diesen fünften Band. Allerdings nur auf Englisch. Auch der sechste Band Avalon wurde scheinbar nicht mehr auf deutsch übersetzt.

Stephen Lawhead // Die Pendragon Saga
Deutsche Taschenbuchauflage, Taliesin: 3. Auflage, 1997-98 // 1987-94
Piper // Lion Publishing
2.127 Seiten

 

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