Sam Millar // True Crime

Sam Millar // True Crime

Bei all der hochtrabenden Literatur voller komplizierter Sätze, wars mal wieder an der Zeit, etwas einfaches zu lesen. True Crime war genau das richtige. Die Seiten flogen nur so dahin. Es handelt sich dabei übrigens dennoch um ein anspruchsvolles Buch.

  • Take-Away: Menschen sind Schweine. Früher, heute und in Zukunft auch.
  • Ein Buch für: Thrillerfans, Biographiefans, Irlandfans

True Crime ist die Geschichte von Sam Millar. In Belfast aufgewachsen, als Terrorist unschuldig verknackt, nach Amerika ausgewandert, wirklich kriminell geworden, wieder verknackt und zurück nach Belfast. Das Buch gliedert sich dementsprechend in zwei Teile auf, die jeweils ebenfalls in zwei Teile untergliedert sind:

  1. Kindheit/Jugend in Belfast
  2. Knast in Nordirland
  3. Entwicklung zum Kriminellen in New York mit dem Höhepunkt des Raubüberfalls
  4. Anklage, Gerichtsverhandlung und Haft

Besonders heftig – und meines Erachtens auch die Seele des Buches – ist die Zeit im Long Kesh. Sam Millar saß unschuldig als Terrorist ein und beteiligte sich direkt an den Streiks echter Paramilitärs, die gegen die Haftbedingungen protestierten. Krass, zu welchen Grausamkeiten Menschen – in diesem Fall britische oder loyalistische Wächter – fähig sind. Eine Geschichte, die sich nicht maßgeblich von Zamperinis Erinnerungen als Kriegsgefangener oder Viktor Frankls Beobachtungen im KZ unterscheiden.

Auf der Urban Explorer Seite 28dayslater gibts einige Fotos vom verfallenen Long Kesh

Der zweite Teil hat mich zunächst enttäuscht. Der Überfall ist schnell erzählt, die Ermittlungszeit wird durch bedeutungsschwangere Bemerkungen à la „Ich hätte es besser wissen müssen“ geschwächt. Fahrt kommt erst wieder auf, als Millar in Untersuchungshaft sitzt und sein Anwalt die Gerichtsverhandlung vorbereitet. Das klingt schon fast noch Grisham.

Millar scheint ein Naturtalent für Text zu haben. Bereits im Knast in Nordirland schrieb er über 200 Protestbriefe an Politiker, Journalisten, die Kirche und Unterstützer. Entsprechend smooth ist auch der Stil. Der Mann schrieb anschließend übrigens weitere Bücher, fiktive Krimis. Seine Belfast-Serie werde ich mir bei Gelegenheit reinziehen.

Nachdem ich selbst ein Jahr in Belfast verbracht habe, wars auch super, über die Stadt zu lesen. Crumlin Road, das Krankenhaus, Derry, die farbig markierten rotestantischen und katholischen Heartlands … das alles ist in mir wieder zum Leben erwacht.

Sam Millar // True Crime
1. Auflage 2015 // 2003
Atrium Verlag // Wynkin deWorde
407 Seiten

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