Jacob Wright // Rebuilding Identity

Jacob Wright // Rebuilding Identity

Bücher über Nehemia 2/2. Dieses ist das historisch-kritische. Es ist außerdem ein Buch über: ja, was denn eigentlich?

  • Take-Away: Nehemia gab es wirklich
  • Ein Buch für: Hobbytheologen, Fans langweiliger Bücher

Jacob Wright ist der Professor eines Moocs über Bibelforschung, den ich durcharbeitete. Rebuilding Identity steht auf der Literaturliste und wurde dankenswerterweise kostenlos als PDF zur Verfügung gestellt. Nachdem ich mit einer Kleingruppe sowieso Nehemia durchlas, las ich auch Wrights Buch begleitend. Es brachte mir so gut wie nichts.

Denn das Buch ist auf der Suche nach der ursprünglichen Fassung des Nehemia-Berichtes. Das mag wissenschaftlich interessant sein, ist ansonsten aber sowas von belanglos. Zumal die Methoden meines Erachtens sehr fragwürdig sind.

Wright geht von einer Reihe Grundannahmen aus:

  1. Nehemia ist eine historische Figur
  2. Er hat einen Bericht über seinen Einsatz in Jerusalem geschrieben
  3. Dieser Bericht wurde später bearbeitet
  4. Die Redakteure nutzen den veränderten Text, um dazu beizutragen, die Identität des Volkes Israel zu stärken.

Nun geht Wright sehr sorgfältig und genau den gesamten Text durch und entwickelt eine eigene, viel kürzere Originalversion des Textes. Er untersucht die Grammatik, Vokabeln, analysiert den Inhalt. Immer dort, wo er Unstimmigkeiten zu entdecken glaubt, vermutet er, der Text müsse manipuliert sein. Das allein finde ich eine schwierige Annahme, die darauf beruht, dass am Anfang des Textes ein Autor stand, der fehlerfrei schrieb, am Ende ein Forscher steht, der fehlerfrei interpretiert und in der Mitte ein oder mehrere Redakteure die in grenzenloser Schusseligkeit alles mit Fehlern zukleisterten.

Ich hingegen frage mich dann:

  • Wenn der Redakteur dumm genug war, zwischen der ersten und der dritten Person als Erzählperspektive zu wechseln, hätte das nicht auch der Autor machen können? Diese Frage stelle ich mir analog bei jedem „Fehler“ den Wright entdeckt.
  • Warum wussten die Redakteure nur, wie man einen Text ergänzt, nicht, wie man Text löscht oder austauscht?

Das erscheint mir doch alles aufgebauscht und an den Haaren herbeigezogen. Ein Werk, indem der Autor zeigen wollte, dass er furchtbar schlau ist. OK, das ist unfair. Aber warum packt er das Buch voll mit Zitaten auf deutsch, französisch, hebräisch? Gut, hebräisch ist klar, aber eine Übersetzung sollte doch jeweils drin sein? Nur weil Wright in Göttingen studiert und in Heidelberg gelehrt hat, muss er doch nicht raushängen lassen, was für ein Sprachengenie er ist? Was hat das mit Wissenschaft zu tun?

Nun gut, immerhin wurde ich ab und zu mit netten Hintergrundinformationen versorgt, etwa zu Gepflogenheiten am persischen Königshof. Auch die verschiedenen Meinungen und Erklärungen unterschiedlicher Bibelforscher zu problematischen Stellen sind ganz interessant, bringen ab niemanden weiter. Im Gegenteil. So wird nur klar, dass man durchaus unterschiedlicher Meinung sein kann, was viele dieser Stellen angeht.

Rebuilding identity ist Wrights erstes großes Werk. Er hat damit den Templeton Prize gewonnen. Herzlichen Glückwunsch dazu.

Jacob Wright // Rebuilding Identity
PDF Ausgabe // 2004
de Gruyter
339 Seiten

 

JJ

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