Jerry Bridges // Pursuit of Holiness

Jerry Bridges // Pursuit of Holiness

Jerry Bridges verrät, wie wir im Alltag heilig werden können. Mit anderen Worte: so handeln, wie es Gott gefällt. Diese Message gliedert er in 17 kurze, leicht verdauliche Kapitel. Dazu gibts einen Study Guide mit vielen Bibelstellen. Das Buch ist von der Ausrichtung her oftmals stark gesetzlich und moralisch. Der Study Guide ist zwar an sich eine gute Sache, wenn auch für amerikanische Bücher fast obligatorisch und in diesem Fall etwas einfallslos.

  • Take-Away: heilig zu sein ist etwas, was wir anstreben können und anstreben sollen.
  • Ein Buch für: Nachfolger Jesu, die selbst denken können

Das Problem ist ein scheinbarer Widerspruch: einerseits sollen wir heilig sein und um das zu erreichen, müssen wir aktiv werden. Andererseits werden geheiligt durch Gott und zwar nur durch Gott.

Tatsächlich ist dieses Spannungsfeld zwischen Aktionismus und Passivität recht einfach aufzulösen und auch Bridges formuliert diese einfache Lösung immer wieder: Auch wenn wir Heiligkeit anstreben, indem wir gewisse Dinge tun, können wir nur durch Gott heilige werden, weil letztendlich nur er diese Dinge durch uns tun kann. Weder können wir uns selbst durch Werke heiligen, noch sind es diese Dinge selbst, die uns heilig machen. Sondern das macht Gott und zwar durch den Opfertod seines Sohnes Jesus Christus.

Leider hat diese Grundaussage für Bridges scheinbar keine Konsequenz. Oder: sie geht an wichtigen Stellen unter. Etwa wenn er behauptet, dieses und jenes gehe nur mit Heiligkeit. Beispielsweise sagt er, wir können Gott nur sehen, wenn wir heilig sind. Dadurch wird Heiligkeit zum Weg, die Gute Nachricht wird zur Religion, in der wir Bedingungen erfüllen müssen. Zwar erfüllt diese Bedingungen letztendlich jemand anderes für uns, aber wenn es beispielsweise in unserem Leben nicht erkennbar ist, dass Gott sehen, dann heißt das automatisch, dass wir eben nicht angestrengt genug danach streben, heilig zu leben.

Folgende Aussagen im Buch finde ich problematisch:

  • Sünde ist für Bridges unter anderem moralisch verwerfliches Handeln. Das gilt aber nur insoweit, wie unmoralisches Handeln gegen den Willen Gottes verstößt. Moral an sich ist ein gesellschaftliches Konstrukt.
  • Alles, was wir tun, sei von Sünde durchdrungen. Sünde ist, wenn wir gegen Gottes Willen verstoßen. Wir können aber durchaus Gottes Willen tun. Immerhin kann Gott in der BIbel selbst Heiden für seinen Willen einsetzen.
  • Ohne Heiligkeit werden wir den Herrn nicht sehen. Das stimmt zwar, aber diese Art von Heiligkeit, die usn den Zugang zum Thronsaal Gottes gewährt, haben wir bereits durch den Tod Jesu. Da können wir uns noch so daneben benehmen.
  • Bridges sagt, Heiligkeit sei ein Teil der Erlösung, keine Bedingung. Ich würde noch eins drauf setzen und sagen, es ist keins von beiden sondern ausschließlich Ergebnis der Erlösung.
  • Heiligkeit ist fürBridges Bedingung, mit Gott wandeln zu können. Auch hier: Diese Art Heiligkeit haben wir durch Jesus bereits.
  • Es gibt für ihn nur Ungehorsam. Wer sagt, er sei von der Sünde besiegt worden, lüge sich was vor. Das klingt, als hätten wir jederzeit, die volle Kontrolle über unser Handeln. Genau das ist aber nicht der Fall. Einfachstes Beispiel: Sucht. Mir fehlt hier auch der erlösende Charakter der Guten Nachricht.

Sofern man den eigentlichen Zusammenhang im Kopf hat und sich nicht irritieren lässt von den moralisierenden und gesetzlichen Tendenzen, gibt das Buch sehr wichtige Botschaften weiter:

  • Es reicht nicht, einfach nur zu sagen, dass man heilig sein will, man muss es tatsächlich anstreben.
  • Wir müssen der Versuchung fliehen, wenn wir heilig im Alltag leben wollen. Das geht.
  • Wir sind der Sünde gestorben, deswegen ist Heiligkeit möglich.
  • Es ist gut, die Taktiken des Feindes zu kennen, wenn wir den Kampf aufnehmen. Dazu gehören zum Beispiel Versuchung, Lüge, Entmutigung, …
  • Wenn wir hinfallen, müssen wir einfach aufstehen und weiterlaufen.
  • Es gibt einen Zusammenhang von Gedanken, Gefühlen und Willenskraft.
  • Heiligung im Alltag ist eine Entscheidung und dann ein lebenslanger Prozess.
  • Tools: Gebet, Bibelstudium, auswendig lernen. MIr fehlt hier allerdings noch: Verbindlichkeit (Mentoring oder Zweierschaft), Sündenbekenntnis, Vergebung, heiliger Geist, …
  • Die Macht der Gewohnheit: Gehorsam lässt sich trainieren.

Das Buch hat mir geholfen, meine eigenen Gedanken, die mE. auf der Bibel basieren, klarer auszudrücken und gefestigter im Wort zu sein. Werde auch wieder damit – und meinen Notizen – arbeiten. Ich fürchte allerdings, dass das Buch auch dazu beitragen kann, andere zu verurteilen und sich selbst unter Druck zu setzen, endlich heilig zu werden. Ich wünschte, ich könnte als Lektor eingreifen und bspw. die Kapitelreihenfolge überarbeiten, Wiederholungen löschen und den Text durch das eine oder andere ergänzen. Wäre viel gewonnen.
So kann ich das Buch nur bedingt weiterempfehlen, nämlich an mündige Christen, die ihr Fähnlein nicht nach jedem vorbeiwehenden Lüftchen wenden.

Jerry Bridges // Pursuit of Holiness
Ausgabe mit Study Guide, 2006 // 1978
NavPress
171 Seiten

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