Warum wir Weihnachten feiern – oder warum Weihnachten (k)ein heidnisches Fest ist

Warum wir Weihnachten feiern – oder warum Weihnachten (k)ein heidnisches Fest ist

Nachdem das Christentum ja eine furchtbar verlogene Religion ist, macht es manchen viel ehrlicheren Atheisten großen Spaß, Christen aufs Brot zu schmieren, dass ja selbst Weihnachten eine bodenlose Lüge sei. Und wer Weihnachten feiert, der bete in Wirklichkeit irgendwelche heidnischen Götter an. Oh Wei(hnachtsbaum).

Die Story: Kaiser Konstantin hat Weihnachten erfunden, um heidnische Feste zu Ehren der Sonne zu überdecken. Und all die hübschen Bräuche, die wir so haben, sind in Wirklichkeit Rituale, um beispielsweise Geister auszutreiben.

Da könnte man ja jetzt einfach mit den Achseln zucken und weitergehen. Weil, das kann mir doch kein römischer Bürger des Jahres 400 nach Christus (und auch kein Atheist, der üblicherweise grad keine heidnischen Götter feiert) vorschreiben, was oder wen und wie ich an Weihnachten feiere oder? Üblicherweise interessiert diese Atheisten ja auch nicht, wessen Hauptstadt Jerusalem im Jahr 400 war (nämlich der Israeliten unter byzantinischer bzw. oströmischer Besatzung), noch würden sie daraus irgendeine Relevanz für die Gegenwart ableiten.

Ich las aber einen anderen Artikel eines amerikanischen Journalisten und wollte dem nun ebenfalls auf den Grund gehen.

Wer führte Weihnachten ein?

Kopf der Kolossalstatue Konstantins des Großen im Kapitolinischen Museum in Rom. Foto: Jean-Pol GRANDMONT // CC BY-SA 3.0

Üblicherweise wird behauptet, Kaiser Konstantin habe Weihnachten eingeführt. Und zwar, um Geburtstagsfeierlichkeiten irgendwelcher anderen mythologischen Figuren zu überdecken. Und das stimmt wohl. Konstantin war der erste, Theodosius hat Weihnachten zum Dogma erklärt, Justinian zum gesetzlichen Feiertag.

Allerdings debattierten Christen Jesu Geburt schon viel früher. Grundlage dieser Diskussionen ist üblicherweise ein jüdischer Glaube, demzufolge Propheten an dem Tag sterben, an dem sie geboren wurden – oder aber gezeugt. Ein möglicher Todestermin ist laut Tertullian (150-220) der 25. März. Daraus oder aus anderen Quellen leitet Clemens von Alexandria (150-215) den 25. März als Geburtstag Jesu ab. Und Hippolyt von Rom (170-230) den 25. Dezember. Wieder andere kommen auf den 6. Januar. In der frühen palästinensischen Kirche wurde dagegen der 25. Mai gefeiert. Durchgesetzt hat sich letztendlich sowohl der 25. Dezember als auch der 6. Januar.

Hat Weihnachten heidnische Ursprünge?

Allein die Tatsache, dass es zwei verschiedene anerkannte Termine für den Geburtstag Jesu gibt, zeigt, dass damit eher weniger ein anderes Fest hat überdeckt werden sollen. Das Weihnachtsfest war halt ein Thema und möglicherweise haben römisch-christliche Herrscher die Chance am Schopfe gepackt und den Termin gewählt, der zufällig mit anderen Festen übereinstimmte.

Aber lasst uns mal genauer hinsehen. Folgende Figuren bzw. ihre Feierlichkeiten kommen als Vorbild für das Weihnachtsfest in Frage.

  • Aion Plutonius
  • Sol Invictus
  • Saturn
  • Horus
  • Sohn der Astarte
  • Mithra

Weil Aion Plutonius, Horus und der Sohn der Astarte zur Zeit Konstantins keine Rolle spielten, sind diese Namen in diesem Zusammenhang unerheblich. Mithras und Sol Invictus sind letztendlich ein und dieselbe Person, ein römisch/iranischer Synkretismus. Bleiben also Sol und Saturn.

In Rom wurden die Saturnalien gefeiert. Allerdings vom 17. bis 23. Dezember.

Ich bin am 23. Januar geboren, mein Sohn ebenfalls. Vielleicht ist er aber auch nur eine Erfindung meiner Frau, um das Angedenken an ihren verhassten Ehemann auszulöschen. Immerhin wird mein Geburtstag jetzt immer unter dem Schatten meines Sohnes stehen. Wäre er irgendwann zwischen dem 15. und 21. Januar geboren hätte das wohl einen deutlich geringeren Einfluss auf meinen eigenen Geburtstag. Mit anderen Worten: hätte man die Saturnalien ablösen wollen, hätte man Weihnachten wohl eher etwas früher angesetzt.
Sol Invictus Mithras im Mithrasrelief von Heidelberg-Neuenheim. Foto: Thomas Ihle // CC BY-SA 3.0

Bleibt noch der gute Sol. Der hatte allerdings mehrere Feiertage, den 28. August und dann noch den 8. und 9. August. Keiner dieser Feiertage wurde durch Konstantin mit christlichen Festen überlagert. Zum Sol Invictus Mithras wurde er wohl erst im zweiten Jahrhundert. Der 25. Dezember wurde unter Aurelian im Jahr 274 zu seinem Festtag gemacht.

Zu einem Zeitpunkt also, als sich einige Christen längst darum stritten, ob Jesus nun am 25. Dezember oder am 6. Januar geboren wurde.

Wer da jetzt wen beeinflusst hat, lässt sich nicht klar sagen. Man könnte schließen, dass die Römer den neuen Staatskult des Sol Invictus auf den 25. Dezember legten, um diese aufkommende jüdisch-christliche Sekte unterzubuttern. Oder man könnte behaupten, dass Konstantin den veralteten Staatskult killen wollte, indem er kurzerhand ein neues Fest des Christentums über alte Festlichkeiten stülpte. Für beides fehlen die Beweise.

Wann wurde Jesus geboren?

Jedenfalls nicht am 25. Dezember. Die Berechnung des Tortullian war nämlich falsch. Das allerdings wussten die Christen der Antike noch nicht. Dazu in einem anderen Blogbeitrag mehr.

Headerbild: Annie Spratt on Unsplash

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