Peter Scazzero // Glaubensriesen, Seelenzwerge

Peter Scazzero // Glaubensriesen, Seelenzwerge

Peter Scazzero war nach eigenen Angaben ein emotionaler Versager. Und wenn man ihm glauben möchte, geht es halb Amerika genauso. Glaubensriesen ist eine erschreckende Bestandsaufnahme der amerikanischen evangelikalen Christen. Doch das Buch ist auch für Christen anderer Länder relevant.

  • Take-away: Liebe ist immernoch eine der zentralen Aussagen der Bibel. Klingt leicht. Isses nich.
  • Ein Buch für: evangelikale Christen. Sagt der Autor. Für alle Christen. Sage ich.

Die Ausgangsfrage, warum bei manchen selbsterklärten Christen so wenig von Gottes verändernder Liebe zu sehen ist, stellte ich mir durchaus auch schon. In Deutschland hat das aber meines Erachtens nichts mit einem bestimmten Bibelverständnis oder einer Denomination zu tun. Sondern mit entweder einem lauen Glauben oder einer falschen Lehre. Aber die charakterliche Verkümmertheit und Nicht-Liebe ist manchmal doch erschreckend. Und wenn ich ehrlich bin, entdecke ich sie auch in meinem Umfeld. Und auch bei mir. Umso wichtiger ist dieses Buch.

Die etwa 200 Seiten bieten leider trotz des wichtigen Themas wenig Inhalt. Scazzero erzählt sehr viele Geschichten und sehr viel aus seinem eigenen Leben. Das ist mutig und ehrlich. Das ist einfach zu lesen. Kann man locker an einem Wochenende durchlesen. Leider oft auf Kosten der inhaltlichen Tiefe.

Um in sachen verändernder Liebe weiterzukommen, brauche Ich jemanden, der ehrlich ist, der mir Fragen stellt, mit dem ich reflektieren kann. Ok. Danke Peter.Und wie geht das? Wie finde ich so jemanden? Wie kann ich so jemand für Andere sein? Wie fangen wir an? Scazzero empfiehlt mir nichtmal weitere Literatur für diese Fragen. Es gibt ein Arbeitsbuch zum Thema, damit siehts vermutlich anders aus. Aber das hätte ich gerne einfach gleich zwischen lediglich zwei Buchdeckeln gehabt, anstatt mir ein zweites Buch kaufen zu müssen.

Interessanterweise passen die Glaubensriesen und Seelenzwerge ganz wunderbar zu zwei anderen Büchern, die ich in diesem Jahr bereits gelesen habe. Es ist ein Bindeglied zwischen der Kunst, sich selbst zu führen und Why am I afraid to tell you who I am. Themen wie Spiritualität und Selbstfürsorge oder der Umgang mit Emotionen und Masken doppeln sich nicht, sondern werden aus anderen Perspektiven beleuchtet.

Am Ende, in den letzten beiden Kapiteln geht’s dann endlich ab. Scazzero holt viele alte Weisheiten der Kirchenväter und der Ostkirche hervor und gibt endlich auch praktische und wertvolle Tipps. So wertvoll, dass ich diese letzten Kapitel immer wieder lesen und bearbeiten werde.

Peter Scazzero // Glaubensriesen, Seelenzwerge
6. Auflage 2014 // 2006
Brunnen Verlag
222 Seiten

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