Warren Buffet // Berkshire Hathaway – Letters to Shareholders

Warren Buffet // Berkshire Hathaway – Letters to Shareholders

Warren Buffet ist seit über 50 Jahren CEO von Berkshire Hathaway, einem einstmals angeschlagenen Textilunternehmen, das unter seiner Führung zu einem internationalen Unternehmenskonglomerat wurde. Jahr für Jahr schreibt er den Anteilshaltern dieses Unternehmens Briefe und versprüht dabei Charme, Witz und Weisheit. In diesem Buch sind die Briefe der Jahre 1965 bis 2015 gesammelt.

  • Take-Away: Warren Buffet ist ein dufte Typ // Das Beste ist immernoch, zu tun, was man kann und mag.
  • Ein Buch für: Anleger, Leute auf der Suche nach Weisheit

Viel zu lang. Dieses Buch ist sowas von zu lang. Die knapp 770 Seiten könnte man locker auf 300 kürzen und es hätte immer noch seine Längen. Wer üben möchte, diagonal zu lesen, ist hier genau richtig. Denn Warren Buffet bedient sich bei seinen Briefen einigen immer gleich bleibenden Textbausteinen, die man ganz wunderbar auslassen kann. Ich persönlich ließ irgendwann auch den einen oder anderen ganzen Brief aus. Andererseits bietet die vollständige Sammlung einen äußerst authentischen Blick auf einen der größten Investoren und Finanzprofis aller Zeiten.

Als Buffet Berkshire Hathaway übernahm, betrug der Wert eines Unternehmensanteils 19 Dollar. Wer damals nur sieben Anteile erwarb, darf sich heute Millionär nennen. Jahr für Jahr erwirtschaftete Buffet 20 Prozent Profit. Ich finde das enorm beeindruckend.
Es ist inspirierend zu lesen, wie Buffet und sein kleines Team nach und nach Kapital verfügbar machten und Unternehmen dazukauften. Mehr Diversifikation geht kaum: Eine Versicherung, ein Medienunternehmen, eine Bank, einen Möbelladen. Heute ist von dem Textilunternehmen nichts mehr übrig, stattdessen gehören über 80 Firmen zu Berkshire Hathaway, darunter mehrere Schwergewichte und zahlreiche Milliardenschwere Anteile an Coca Cola, IBM, American Express und vielen mehr.

Nach der Lektüre habe ich große Lust, alles Geld zusammenzukratzen und anzufangen, zu investieren.

Noch interessanter als das Geschäft ist aber Buffet selbst. Die an sich drögen Finanzupdates sind gespickt mit Anekdoten, etwa vom Geburtstag seiner vierjährigen Enkelin, von Zitaten aus der Bibel, von Karl Marx, Wayne Gretzky, Goethe oder Alice im Wunderland. Die Geschichten seiner Unternehmen und wie die Deals zustande kamen sind spannend. Etwa die Geschichte der Mrs. Blumkin, die Anfang 20 aus Russland einwanderte, in Armut lebte, aber dennoch sparte, ein Möbelgeschäft eröffnete, dort 7 Tage die Woche arbeitete, bis sie über 90 war – und zur Millionärin wurde. Buffets Briefe an seine Shareholder erzählen vielfach den Amerikanischen Traum.

Mrs. Blumkin und seine anderen Manager sind sein Lieblingsthema. Kein Brief ohne Lobeshymnen. Von sich selbst gibt er Anekdoten preis und listet ansonsten seine zahlreichen Fehler auf, die die Anleger Milliarden gekosten hätten. Präsentiert mit natürlich ganz viel Selbstironie. Der Eindruck drängt sich auf, das Warren Buffet ein äußerst sympathischer Mann ist.

Einen Schatten bekommt das ungewöhnliche Selbstporträt relativ spät. Im Laufe der Jahre wird immer deutlicher: Für Buffet gibt’s nur das Geschäft. Erschreckend wie emotionslos er über die Anschläge vom 11. September 2001 schreibt. Oder über mögliche Atombomben über Amerika – die wirtschaftliche Verluste für seine Rückversicherer zur Folge hätten. Ernsthaft? Anschläge und Atombomben und Buffet sorgt sich um die finanziellen Rücklagen seiner Unternehmen? Buffet kritisiert früh die viel zu hohen Gehälter mancher Manager. Nicht aber, weil diese ungerechtfertigt wären oder soziale Spannungen bedeuten würden – sondern schlicht, weil sie schlecht fürs Geschäft seien.

Andererseits muss man aber auch erwähnen, dass es Buffet tatsächlich nur ums Geschäft geht. Und nicht etwa um persönlichen Reichtum. 1968, also drei Jahre nach dem ersten Brief dieses Buches, kaufte er ein Haus. Es ist ein schönes Haus, aber nichts weiter Besonderes. Er wohnt noch heute in diesem Haus. Er hat angekündigt, mindestens 85 Prozent seines Vermögens spenden zu wollen und rief gemeinsam mit Bill Gates The Giving Pledge ins Leben, das übermäßig reiche Menschen dazu animieren soll, ihren Reichtum zu spenden.

Insgesamt gilt aber: wer kein großes Interesse an Wirtschaft mitbringt, langweilt mit diesem Buch. Mir ging es relativ schnell so, lange bevor ich die 50 Briefe auch nur ansatzweise durch hatte. Was also kann ein Mensch, der nicht von investieren möchte, von Buffet lernen?

  • Auf Basis von einfach Regeln zu handeln, um nicht ständig Entscheidungen treffen zu müssen.
  • Aus Überzeugung zu handeln und dann mutig und mit aller Kraft.
  • Anderen mit der gleichen Ehrlichkeit und Transparenz begegnen, die man sich selbst wünscht.
  • Demütig sein und andere ehren und loben.
  • Menschen finden, denen man vertraut – und dann konsequent Vertrauen abgeben und gleichzeitig Fehler zulassen.
  • Eigene Fehler freimütig zugeben.

Wer keinen Bock hat, das Buch zu lesen, kann sich ja stattdessen einfach nur folgende Zitate reinziehen:

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Foto: Mark Hirschey // CC BY-SA 2.0

Successfully forecasting short term stock price movements is something we think neither we nor anyone else can do.

If you (a) forego ten hamburgers to purchase an investment; (b) receive dividends which, after tax, buy two hamburgers; and (c) receive, upon sale of your holdings, after-tax proceeds that will buy eight hamburgers, then (d) you have had no real income from your investment, no matter how much it appreciated in dollars.

We have tried occasionally to buy toads at bargain prices with results that have been chronicled in past reports. Clearly our kisses fell flat. We have done well with a couple of princes— but they were princes when purchased. At least our kisses didn’t turn them into toads.

The market, like the Lord, helps those who help themselves. But , unlike the Lord, the market does not forgive those who know not what they do.

My own role in operations may best be illustrated by a small tale concerning my granddaughter, Emily, and her fourth birthday party last fall. Attending were other children, adoring relatives, and Beemer the Clown, a local entertainer who includes magic tricks in his act. Beginning these, Beemer asked Emily to help him by waving a “magic wand” over “the box of wonders.” Green handkerchiefs went into the box, Emily waved the wand, and Beemer removed blue ones. Loose handkerchiefs went in and, upon a magisterial wave by Emily, emerged knotted. After four such transformations, each more amazing than its predecessor, Emily was unable to contain herself. Her face aglow, she exulted: “Gee, I’m really good at this.”

Indeed, we believe that according the name “investors” to institutions that trade actively is like calling someone who repeatedly engages in one-night stands a romantic.

Our pace of activity resembles that forced upon a traveler who found himself stuck in tiny Podunk’s only hotel. With no T.V. in his room, he faced an evening of boredom. But his spirits soared when he spied a book on the night table entitled “Things to do in Podunk.” Opening it, he found just a single sentence: “You’re doing it.”

I was recently studying the 1896 report of Coke (and you think that you are behind in your reading!).

Writing checks to the IRS that include strings of zeros does not bother Charlie or me. Berkshire as a corporation, and we as individuals, have prospered in America as we would have in no other country. Indeed, if we lived in some other part of the world and completely escaped taxes, I’m sure we would be worse off financially

Overall, you would have been better off last year if I had regularly snuck off to the movies during market hours.

Your Chairman, whose breaking ball had the crowd buzzing last year, will again take the mound. This year I plan to introduce my “flutterball.” It’s a real source of irritation to me that many view our annual meeting as a financial event rather than the sports classic I consider it to be. Once the world sees my flutterball, that misperception will be erased.

I will tell you now that we have embraced the 21st century by entering such cutting-edge industries as brick , carpet, insulation and paint. Try to control your excitement.

Bad terminology is the enemy of good thinking. When companies or investment professionals use terms such as “EBITDA” and “pro forma,” they want you to unthinkingly accept concepts that are dangerously flawed. (In golf, my score is frequently below par on a pro forma basis: I have firm plans to “restructure” my putting stroke and therefore only count the swings I take before reaching the green.)

Long ago , Charlie laid out his strongest ambition: “All I want to know is where I’m going to die, so I’ll never go there.” That bit of wisdom was inspired by Jacobi, the great Prussian mathematician, who counseled “Invert, always invert” as an aid to solving difficult problems. (I can report as well that this inversion approach works on a less lofty level: Sing a country song in reverse, and you will quickly recover your car, house and wife.)

“Everybody else is doing it.” This rationale is almost always a bad one if it is the main justification for a business action.

Of all the investments I ever made, buying Ben’s book was the best (except for my purchase of two marriage licenses).

Warren Buffett // Berkshire Hathaway. Letters To Shareholders.
6. Auflage 2014
Explorist Productions
769 Seiten

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