Why Am I Afraid to Tell You Who I Am

Why Am I Afraid to Tell You Who I Am

Es ist doch zum Kartoffelschälen. Jahrhundertelang wurde den Menschen genau gesagt, was sie zu tun und zu lassen haben. Und sie fühlten sich eingeengt, ja, gefangen gar. Heute haben viele von uns Möglichkeiten ohne Ende. Und werden erschlagen.
Es ist, wie bei einem Computer-Rollenspiel, dass ich vor einigen Jahren mal spielte. Es gab so viele Möglichkeiten und ich hatte doch so wenig Zeit. Immer wenn ich mit einem neuen Charakter und einem neuen Beruf eine Stunden gespielt hatte, dachte ich mir: vielleicht ist ja dieser und jener Beruf viel toller? Das will ich ausprobieren. Neustart. Ich spielte das Spiel kein einziges Mal durch.

Sowas ähnliches kann man auch im richtiges Leben beobachten. Ein alter Freund hat sich dazu ein hübsches Wort ausgedacht:

Allerdings glaube ich gar nicht mal, dass es die Diskrepanz zwischen Zeit und Möglichkeiten ist, also mein Problem beim Computerspiel. Sondern in erster Linie das fehlende Wissen, was man denn eigentlich möchte. Und das ist ganz stark damit verbunden mit dem mangelnden Wissen, wer man denn eigentlich ist. Wüssten wir, wer wir sind und was wir wollen, hätten wir kein Problem damit, dieses Ziel zu verfolgen und alle anderen Möglichkeiten zu ignorieren.

Jean Baudrillard behauptet, man könne nur aus einer gewissen Distanz verlässliche Aussagen über ein Objekt treffen. Schwieriger wirds bei Subjekten und bei einem selbst ist es dann gänzlich unmöglich. Denn Ich selbst habe die größtmögliche Nähe zu meiner eigenen Person und tue mir deswegen schwer, etwas über mich zu sagen. Ich brauche andere Personen, um herauszufinden, wer ich wirklich bin. Das Problem dabei: Die andre Person hat ja nur den Blick von außen und der wird verfälscht, weil ich ihr nicht wirklich sage, wer ich bin. Dazu müsste ich schon sehr ehrlich sein.

Das Buch stellt die schlaue Frage, warum wir Angst haben, unser wahres Ich mitzuteilen. Und die Antwort ist einfach: Selbstschutz. Statt ehrlich zu sein, spielen wir bewusst oder unbewusst jede Menge Rollen und Spielchen. Sämtliche Angriffe auf unsere Person zerschellen an diesen Rollen und Spielchen. Aber so kriegen wir nicht raus, wer wir sind, was wir wollen und entwickeln uns nicht weiter.

Der Inhalt ist schnell erzählt: Wir müssen anfangen, unsere Gefühle zuzulassen und sie zu offenbaren, ohne uns dabei von ihnen bestimmen zu lassen. Wenn wir das tun, lernen wir mit de Zeit und durch Reflektion mithilfe einer anderen Person, mit unseren Gefühlen umzugehen und lernen uns selbst besser kennen. Wir reifen.

Leider sagt der Autor nicht, wie genau das gehen soll. Stattdessen zählt er lang und breit verschiedene möglichen Spiele und Rollen auf. Dabei ist er nicht neutral sondern verallgemeinernd und beleidigend. Etwa wenn er behauptet, die Schöne habe nichts anderes anzubieten als ihr Aussehen, was bemitleidenswert sei.

Ich finde das Thema an sich ziemlich wichtig. Leider entspricht dieses Büchlein nicht viel mehr als dem erste Kapitel dessen, was man wirklich dazu sagen könnte. Plus Anhang. Viel mehr wäre notwendig. Insbesondere die Gute Nachricht von Jesus Christus müsste viel mehr Einzug erhalten. Wenn Jaweh uns erschaffen hat, dann weiß er recht genau, wer wir sind und zu welchem Zweck er uns geschaffen hat. Dann gibt es neben der integeren und der versteckten eine dritte Form der Identität: die göttliche. Außerdem gibt die Bibel hervorragende Möglichkeiten, Rollen samt ihrer auslösenden Verletzungen loszuwerden: Durch Vergebung und durch den Kreuzestod Jesu, durch den er alles auf sich genommen hat, was uns von Gott und unserer wahren Identität trennt. Ohne die Bibel ist es ziemlich schwer, möglicherweise auch sehr dumm, sich ernsthaft darauf einzulassen, mit Menschen, die wir gern haben, absolut ehrlich zu sein. Mit Jesus und der Kraft der Vergebung können wir anfangen, uns zu wagen.

John Powell // Why Am I Afraid To Tell You Who I Am?
1999/1969
Zondervan
105 Seiten

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